Do, 20.06.2013 | 03:38 Uhr
Die rechtsextreme Szene in Berlin und Brandenburg wird in den letzten Monaten immer gewaltbereiter: Angriffe auf Einrichtungen und Menschen häufen sich. Aber auch die Zahl der Initiativen und Aktionsgruppen dagegen hat in den letzten Jahren zugenommen. Der "Bürgersinn gegen Rechts" wächst. Beispiel Schöneweide: Der Berliner Stadtteil gilt als neue Nazihochburg. Das nehmen viele hin. Andere aber nicht, so wie Monika Becker. - Unsere Reporterin Annette Miersch hat sie getroffen.
Die Kleiderwahl sei Zufall, sagt Monika Becker. Sie hat ein knallrotes T-Shirt und eine schwarze Hose an. Früher habe sie die Farben ganz bewusst getragen, als Antifa-Statement, erzählt die 61-Jährige. Ihre langen Haare sind zum Knoten geflochten, die Hände rau von Gartenarbeit. In den Augen der Rentnerin blitzt der Schalk. Schnell wird klar, diese Frau ist eigensinnig und unter Bürgersinn versteht sie: !Probleme sehen, eingreifen, als Bürger".
Und die Sachen, die sie für sinnvoll hält, verwirklicht sie auch: Netzwerken gegen rechts, Bündnisse für Demokratie und Toleranz in Treptow Köpenick gegründet, Stadtteilfeste, Ausstellungen und Lesungen organisieren oder ehrenamtlich Witwen von Verfolgten des Nazi-Regimes betreuen. Das alles macht Monika Becker.
Kurz nach der Wende begann sie, sich gegen Rechtsextremisten zu engagieren. Damals überschwemmten plötzlich braune Gewalt und Hetze auch ihren Kiez im Berliner Süd-Osten. Das begann mit Schmiereien, die den Vater Monika Beckers betrafen, Walter Sack, der lange Bürgermeister war, und von dem bekannt war, dass er Jude ist.
Water Sack war auch Mitglied einer kommunistischen Widerstandsgruppe in Berlin, er konnte vor den Nazis nach Schweden fliehen, seine Eltern nicht, die wurden nach Auschwitz deportiert und dort umgebracht. Auch deshalb ist Gesicht gegen rechts zu zeigen für die ganze Familie eine Selbstverständlichkeit. Das bekräftigt auf die 33-jährige Tochter Kati, sie ist Mitarbeiterin im Zentrum für Demokratie in Schöneweide, sie spricht bewundernd vom Mut ihrer Mutter. Die Anerkennung des Protestes gegen rechts sei erst in den letzten Jahren gestiegen.
Die Angriffe durch rechte Gewalt aber kommen näher. Monika Becker lässt sich von solchen Angriffen, wie dem auf ihren Freund, nicht einschüchtern: "Wenn mir was passiert, dann weiß ich wer's war. Und ich zeige an. Ich hole die Polizei, wenn die Musik mir zu laut ist und sie rechtsextremen Hintergrund hat. Und dann gibt es eine Anzeige, wenn man mich begrüßt mit "Heil Hitler Frau Becker". Ich wehre mich natürlich.