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Schwerpunkt

Bürgersinn gegen Rechts

Wer bei Google die Suchworte "Neonazis" und "Brandenburg" eingibt, erhält ungefähr 624.000 Ergebnisse. Doch darunter fallen auch hunderte Seiten über Initiativen gegen Rechts, die aktiv Flagge zeigen.

Ist es wirklich so, wie Bundesinnenminister Friedrich kürzlich sagte: Der Osten sei "unterwandert von Rechten"? Wie werden Bürger aktiv gegen rechtes Gedankengut in Deutschland? Wenn man die jüngsten Meldungen von Übergriffen, Schmierereien und Fabbeutel-Attacken in Brandenburg und auch Berlin liest, könnte sich dieser Eindruck verstärken. Aber es gibt auch die andere Seite: Bürger, die sich zusammentun und aktiv gegen die rechte Szene Flagge zeigen.

Inforadio stellt am Freitag verschiedene Gruppen und Organisationen vor, die sich gegen Neonazis engagieren. Außerdem widmen wir uns der Frage, wie das Thema in Schulen behandelt wird.

Der Politikwissenschaftler Hajo Funke (FU) plädierte am Freitag bei uns im Inforadio dafür, genau hinzuschauen und zu differenzieren: "Es hängt an den Regionen. Es gibt im Osten - etwa in Anklam (Mecklenburg-Vorpommern) tatsächlich Strukturen, wo die Kameradschaften über die Sicherheit oder Nicht-Sicherheit ihrer Nachbarn befinden." Ähnliche Verhältnisse herrschten im mittelsächsischen Limbach-Oberfrohna.

Als positives Beispiel nannte Funke die Stadt Neuruppin, wo sich Bürger den Neonazis entgegen gestellt und ihre Aufmärsche verhindert hätten.

"Szene verändert sich ständig"

Das "Gebilde Rechtsextremismus" verändere sich ständig, zurzeit gebe es offenbar eine starke Vernetzung der brandenburgischen Neo-Nazis nach Berlin, sagte Jörg Wanke von der Bürgerinitiative "Zossen zeigt Gesicht" am Freitag bei uns im Inforadio. Seine Initiative sei nicht in der Lage herauszufinden, was sich in der Szene bewege und stehe deshalb vor immer neuen Situationen.
Er selber frage sich nach jeder Bedrohung, ob er weiter mache. Da die Initiative aber "recht stabil" sei und große Solidarität herrsche, "stehe die Frage" derzeit nicht. Viel Unterstützung habe er auch von Mitbürgern erfahren, die ihn zum Weitermachen motivierten.

Demokratie in der Schule lernen

Schüler im Chemi-Unterricht (dpa-Archivbild)

Schule ist ein optimaler Trainingsort für Demokratie, sagt Wilfried Schubarth. 

Wie gehen Kinder und Jugendliche mit dem Thema Rechtsextremismus um? Wilfried Schubarth, Erziehungswissenschaftler an der Uni Potsdam, sagte am Freitag bei uns am Inforadio, die Schule habe klar den Bildungsauftag, demokratische Werte zu vermitteln.
Entscheidend sei dabei die Erkenntnis, dass Wissen allein nicht ausreiche und Belehrungen nicht ankämen - gegen Einstellungen sowie Erfahrungen.

Deshalb müsse sich die Schule selber zum Erfahrungsraum machen. Schülerrat und Klassengemeinschaften seien ideal, um Gemeinsinn und Demokratie zu üben.

Es gebe zudem Ansätze wie den Modellversuch "Demokratie lernen". 300 Demokratieberater wurden ausgebildet, deren Potenzial müsste besser genutzt werden, forderte Schubarth. Man sollte zudem immer über neue Ansätze nachdenken, um sich mit dem Thema auseinanderzusetzen.

Mehr rechtsextreme Straftaten 2011

Die jüngsten rechtsextremen Anschläge belegen einen gefährlichen Trend: Es gibt wieder mehr solche Straftaten in Brandenburg. Von Januar bis September wurden gut 1.000 politisch rechts motivierte Straftaten registriert, wie das Innenministerium in Potsdam am Donnerstag mitteilte. Im gleichen Zeitraum des Vorjahres waren es fast 900, was eine Steigerung von mehr als elf Prozent bedeutet.

 "Die Bekämpfung der rechtsgerichteten Straftaten hat in Brandenburg weiterhin Priorität", sagte Ministeriumssprecher Ingo Deckert. Im gesamten Jahr 2011 waren nach früheren Angaben von Innenminister Dietmar Woidke (SPD) 1.140 rechtsextreme Straftaten gemeldet worden.

Erst kürzlich hatten Rechtsextreme einen Anschlag mit Steinen und Farbbeuteln auf das Asylbewerberheim im Schönefelder Ortsteil Waßmannsdorf (Dahme-Spreewald) verübt. Verletzt wurde niemand. Außerdem beschmierten Unbekannte in Zossen (Teltow-Fläming) sogenannte Stolpersteine zur Erinnerung an jüdische Opfer der Nazis mit schwarzer Farbe und sprühten Hakenkreuze auf ein Mahnmal der Stadt für die Opfer des Faschismus. Bereits im Sommer war der Briefkasten am Haus von Jörg Wanke von "Zossen zeigt Gesicht" gesprengt worden.

Die Angreifer hinterließen an den Tatorten unter anderem den Schriftzug "NW-Berlin.net", der auf eine rechtsextreme Internetplattform des sogenannten Nationalen Widerstands Berlin führt.

Die Potsdamer Staatsanwaltschaft und der Staatsschutz ermitteln und arbeiten eng mit der Polizei in Berlin zusammen.

Stand vom 12.10.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 12.10.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Mehr zum Thema

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Positive und negative Beispiele

Wie "rechts" ist der Osten? Das Interview mit Prof. Funke zum Nachhören.

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Freitag, 12. Oktober 2012

Bürgersinn gegen rechts - Cottbuser Aufbruch

Aktiv sind auch Bürger in Cottbus, dort stellt sich ein parteiübergreifende Bündnis erfolgreich dem braunen Spuk entgegen. Andreas Rausch berichtet.

S-Bahnhof Schöneweide in Berlin (Bild: rbb)

Bürgersinn gegen rechts

Engagiert in Schöneweide

Der "Bürgersinn gegen Rechts" wächst. Beispiel Schöneweide: Der Berliner Stadtteil gilt als neue Nazihochburg. Das nehmen viele hin. Andere aber nicht, so wie Monika Becker. - Unsere Reporterin Annette Miersch hat sie getroffen. _mehr

Infos im WWW

Zossen zeigt Gesicht

Für Demokratie und Toleranz, gegen Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Gewalt [zossen-zeigt-gesicht.de]

Förderverein "Cottbuser Aufbruch"
[cottbuser-aufbruch.de]

Achtung Satire: Die Front Deutscher Äpfel (FDÄ), bisweilen auch verkürzt Apfelfront genannt, ist eine 2004 in Leipzig gegründete satirische Organisation, die rechtsextreme Parteien, insbesondere die Nationaldemokratische Partei Deutschlands (NPD), parodiert.
[apfelfront.de]

Neuruppin bleibt bunt

Aktionsbündnis für Toleranz und Demokratie  [neuruppin-bleibt-bunt.de]

Potsdam bekennt Farbe

Zum Bündnis "Potsdam bekennt Farbe! Gemeinsam für Toleranz, Gewaltfreiheit und ein friedliches Miteinander"  [potsdam-bekennt-farbe.de]

Kein Ort für Nazis

Das Bündnis "Kein Ort für Nazis in Frankfurt (Oder)" versucht den Neo-Naziaufmarsch am 10.11.2012 zu verhindern. [kein-ort-fuer-nazis.org]

Aktionsbündnis Brandenburg

Gegen Gewalt, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit  [aktionsbuendnis-brandenburg.de]

Amadeu Antonio Stiftung

Initiative für Ziviligesellschaft und demokratische Kultur  [amadeu-antonio-stiftung.de]

exit Deutschland

Hilfe für Aussteiger aus der rechten Szene  [exit-deutschland.de]

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