Sa, 18.05.2013 | 13:11 Uhr
Seit Jahren wird über die Zukunft des asbestverseuchten Kongresszentrums ICC in Berlin diskutiert. Ein Abriss ist nun vom Tisch - das Gebäude solll für 200 Millionen Euro teilsaniert werden. Kritik kam von den Grünen: Sie fordern den vollständigen Erhalt des Gebäudes.
Das marode und asbestverseuchte Internationale Congress Centrum (ICC) soll erhalten bleiben, aber nur teilweise saniert werden. Darauf haben sich die Fraktionschefs von SPD und CDU, Saleh und Graf, verständigt.
Spätestens 2014 muss das ICC wegen Sanierungsarbeiten geschlossen werden. Im Koalitionsvertrag war bislang festgeschrieben, das Gebäude als Kongresszentrum zu sanieren. Dafür wären nach einem Gutachten allerdings 328 Euro nötig.
Der neue Vorschlag sieht nur noch Ausgaben in Höhe von 200 Millionen Euro vor. Ob das ICC danach noch als Kongresszentrum genutzt werden kann, ist fraglich.
Grüne wollen ICC vollständig erhalten
Die Berliner Grünen haben die Pläne der rot-schwarzen Koalition kritisiert, das ICC nur zum Teil zu sanieren.
Der Finanzexperte der Abgeordnetenhaus-Fraktion, Jochen Esser, sagte im rbb-Inforadio, er könne darin keine tragfähige Perspektive für das Gebäude erkennen. Anstelle der geplanten Teilsanierung müsste das ICC vollständig für Großkongresse erhalten werden. Dafür sei allerdings mehr Geld nötig, betonte Esser.
ICC gehört zur "High-Tech-Ästhetik"
Dr. Kerstin Wittmann-Englert, Professorin für Architekturgeschichte an der TU Berlin und Vorsitzende des Landesdenkmalrates Berlin, bewertete im rbb-Inforadio die Pläne zum Erhalt des Hauses positiv. Sie plädierte dafür, das ICC als authentisches architektonisches Markenzeichen aus den 70er Jahren zu erhalten - und unter Denkmalschutz zu stellen. Das Gebäude der "High-Tech-Ästhetik" sei ein Markenzeichen für Berlin.
Zugleich sprach sie sich dafür aus, das ICC auch künftig als Kongresszentrum zu nutzen. Sie sei gegen eine Umnutzung, "es ist ein Haus, das funktioniert", sie die Expertin.
Betriebsgenehmigung nur noch bis 2013
Die Messe hatte noch im August erklärt, keine Verwendung mehr für das Gebäude zu haben. "Es ist fraglich, ob eine Komplettnutzung für Kongresse aus Sicht der Steuerzahler zumutbar ist", sagte damals ein Sprecher. Die neue Messehalle CityCube zeige, dass die Kongresse Berlins auch günstiger unterzubringen seien. Die Halle entsteht derzeit für 76 Millionen Euro am früheren Standort der Deutschlandhalle. In die Summe sind Abriss- und Entsorgungskosten bereits eingerechnet.
Erst Anfang August hatte der TÜV einen definitiven Schließungstermin für das Haus verkündet. Demnach gilt die laufende Betriebsgenehmigung noch bis Ende 2013. Eine Verlängerung schließen die TÜV-Experten inzwischen aus und verweisen unter anderem auf Brandschutzeinrichtungen, die grundlegend erneuert werden müssen.