Do, 20.06.2013 | 06:44 Uhr
Mit seiner Rede an die deutsche Jugend leitete Frankreichs Präsident de Gaulle vor fast genau 50 Jahren in Ludwigsburg die deutsch-französische Aussöhung ein. Am gleichen Ort feierten Kanzlerin Merkel und Frankreichs Präsident Hollande die heutige Partnerschaft am Samstag mit einem großen Bürgerfest.
Schulterschluss mit Hollande
Angela Merkel würdigte de Gaulles Rede als Vermächtnis an die Deutschen und Franzosen: "Seine Worte haben eine ganze Generation geprägt", sagte sie bei dem Festakt im Ludwigsburger Schloss. Deutschland und Frankreich komme eine besondere Verantwortung bei der nachhaltigen Entwicklung Europas zu, vor allem um der jungen Generation Berufschancen und freie Entfaltung zu ermöglichen. "Das Europa der Zukunft liegt in euren Händen", rief sie den jungen Gästen des Festaktes zu.
"Es lebe die deutsch-französische Freundschaft"
Wie zuvor Merkel würdigte auch Hollande die "Weitsicht" Adenauers und de Gaulles. Sie hätten mit der deutsch-französischen Aussöhnung den Frieden in Europa für immer besiegeln wollen. Weniger als 20 Jahre nach Ende des "schrecklichsten weltweiten Konflikts" sei dazu viel Kühnheit notwendig gewesen, betonte der sozialistische Staatschef.
Frankreichs Staatspräsident warb für einen Ausbau der Beziehungen beider Länder. Er fügte hinzu: "Wir bilden das Herz Europas." Er beendete seine Rede mit dem Satz: "Es lebe die deutsch-französische Freundschaft!
Im September 1962, vor genau 50 Jahren, reiste der damalige französische Staatspräsident Charles de Gaulle sechs Tage lang durch Deutschland, um die Versöhnung der beiden Staaten voranzubringen, die sich noch im Zweiten Weltkrieg feindlich gegenübergestanden hatten.
Im Ludwigsburger Schlosshof jubelten ihm tausende Menschen zu. De Gaulle machte damals deutlich, dass er in die deutsche Jugend große Hoffnungen bei der Versöhnung der beiden Staaten setzt.
Eurokrise als Belastung
Der Jahrestag fällt allerdings in schwierige Zeiten - die Beziehungen zwischen beiden Ländern werden durch die Euro-Krise auf eine Belastungsprobe gestellt.
Kanzlerin Merkel und Präsident Hollande liegen bei Themen wie den europäischen Gemeinschaftsanleihen, den Eurobonds, weit auseinander. Die beiden müssen sich offenbar noch aneinander gewöhnen- Hollande ist erst seit Mai im Amt und gehört als Sozialist zu einer anderen "politischen Familie" als Merkel.
Doch auch andere Präsidenten und Kanzler verstanden sich nicht auf Anhieb und schafften trotzdem im Laufe der Jahre ein Vertrauensverhältnis - beispielsweise Angela Merkel und Hollandes Vorgänger Nicolas Sarkozy.
"Merkel und Hollande werden noch ein gutes Paar"
Der stellvertretende Leiter des deutsch-französischen Instituts in Ludwigsburg, Professor Henrik Uterwedde, sagte am Samstag im Inforadio, sicherlich seien Deutschland und Frankreich zwei Länder mit sehr unterschiedlichen Kulturen. Man hatte vor 50 Jahren - und habe immer noch - sehr verschiedene Vorstellungen, etwa wie es mit Europa weitergehen solle.
Zwar seien viele dieser Unterschiede "abgearbeitet“ worden, so der Politikwissenschaftler. Aber inzwischen ginge es um eine europäische Innen- und Wirtschaftspolitik – und da gehöre Streit eben dazu. Die Kontroversen zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und dem französischen Staatspräsidenten François Hollande spielten jedoch nur eine untergeordnete Rolle. Uterwedde zeigte sich zuversichtlich, dass sich die beiden Spitzenpolitiker "im besten Sinne des Wortes zusammenraufen“ werden: "Beide sind abwägend, vorsichtig und ruhig in ihrer Art. Aus ihnen kann noch ein gutes Paar werden“.
Freundschaft zwischen Mitterrand und Kohl
Legendär war dagegen die Freundschaft zwischen dem Sozialisten François Mitterrand und dem Konservativen Helmut Kohl, die sich auf dem ehemaligen Schlachtfeld von Verdun beim Gedenken an die Toten die Hand reichten. Auch zwischen dem konservativen französischen Aristokraten Valery Giscard d'Estaing und dem SPD-Kanzler Helmut Schmidt herrschte ein enger Kontakt.
Gestritten wurde allerdings auch damals, wie Giscard im August bei einem Auftritt mit Schmidt in Hamburg berichtete: "Ich weiß nicht, ob sich Helmut noch daran erinnert, aber wir hatten damals einen Disput über die Griechen: Ich war für ihren Beitritt in die Europäische Gemeinschaft und er dagegen".