Di, 21.05.2013 | 12:19 Uhr
In Deutschland sind Muslime am Samstag erneut gegen das Anti-Islam-Video aus den USA auf die Straße gegangen. In Pakistan und Libyen gab es im Zusammenhang mit dem Film schwere Unruhen.
In Karlsruhe und Dortmund waren Demonstrationen gegen eine öffentliche Vorführung des Amateur-Videos aus den USA angemeldet. Etwa 1.500 Menschen versammelten sich laut Polizei allein in Dortmund , um friedlich zu protestieren. Auf einem Transparent stand "Moses, Jesus, Mohammed sind unsere heiligen Propheten". Deutsche, libanesische und türkische Fahnen wurden geschwenkt. Auch zahlreiche Kinder und Familien liefen mit.
Bereits am Freitag hatten in Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen insgesamt rund 1.600 Menschen gegen den Anti-Mohammed-Film demonstriert. In Freiburg und Hannover versammelten sich mehrere hundert Menschen. Weitere Demonstrationen gab es im westfälischen Münster unter dem Motto "Gegen den religionsbeleidigenden Film im Internet"; dort zählte die Polizei am Abend etwa 200 Demonstranten.
Für Sonntag sind erneute Proteste in Hannover angekündigt.
19 Tote bei Protesten in Pakistan
Auch in der muslimischen Welt wird ebenfalls weiter demonstriert. In Nigeria zogen zehntausende Menschen friedlich durch die Innenstadt von Kano im Norden des Landes. Sie forderten die US-Regierung auf, Schmähungen des Islam zu unterbinden. Auch in Bangladesh und Libyen fanden neue Protestzüge statt. Hier gab es Verletzte.
Nach dem Freitagsgebet war es in Pakistan trotz scharfer Sicherheitsvorkehrungen im mehreren Städten zu Straßenschlachten mit mindestens 19 Toten und rund 200 Verletzten gekommen. In der Hauptstadt Islamabad durchbrachen hunderte Muslime Absperrungen rund um das Regierungsviertel. In dem Bereich liegen in einem zusätzlich gesicherten Areal auch westliche Botschaften.
Libyer stürmen Stützpunkte radikalislamischer Milizen
In der libyschen Stadt Bengasi stürmten hunderte Demonstranten am Freitagabend den Stützpunkt einer radikalislamischen Miliz gestürmt, die als treibende Kraft hinter dem Sturm auf das US-Konsulat vor einer Woche gilt. Dabei waren der US-Botschafter in Libyen und drei weitere Amerikaner getötet worden. Die Demonstranten vertrieben die Kämpfer der Ansar al Scharia und steckten das Gebäude in Brand.
Danach griffen Demonstranten den Stützpunkt einer weiteren Miliz, Rafallah Sahati, an. Deren Kämpfer schossen in die Menge, mindestens 20 Demonstranten wurden verletzt. Bereits zuvor waren in der nordlibyschen Stadt rund 30.000 Menschen gegen Ansar al Scharia auf die Straße gegangen. "Nein, nein zu den Milizen", riefen sie.
Die schwer bewaffneten Milizen sind im nach-revolutionären Libyen zu einem der schwierigsten Probleme geworden. Viele Libyer werfen ihnen vor, die Zivilbevölkerung nach ihren radikalen Vorstellungen zu gängeln.
Obama ruft zur Mäßigung auf - im pakistanischen Fernsehen
Zur Besänftigung der zunehmenden Proteste gegen ihr Land haben US-Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton im pakistanischen Fernsehen zur Mäßigung aufgerufen.
Die USA respektieren alle Religionen und hätten nichts mit dem Mohammed-Schmähfilm zu tun, heißt es in dem TV-Spot, für den die US-Regierung bei mehreren pakistanischen Fernsehstationen Sendezeit kaufte.
In vielen islamischen Ländern rund um den Globus kocht seit mehr als einer Woche Wut über ein im Internet verbreitetes Amateur-Video über den Propheten Mohammed hoch. Es wurde in den USA produziert. Etliche Menschen starben bei Krawallen.