Fr, 24.05.2013 | 21:30 Uhr
Eine französische Satire-Zeitschrift provoziert Muslime und druckt Karikaturen des Propheten. Aus Angst vor Angriffen hat die Regierung in Paris am Mittwoch in 20 Ländern Botschaften und Schulen geschlossen.
Zuvor hatten sowohl Außenminister Laurent Fabius als auch Regierungschef Jean-Marc Ayrault die Macher der Zeitschrift "Charlie Hebdo" aufgefordert, Verantwortungsbewusstsein zu zeigen und kein weiteres "Öl ins Feuer" zu gießen. Ayrault betonte zwar das Recht auf Meinungsfreiheit, sagte aber auch, die Veröffentlichung zu diesem Zeitpunkt sei "nicht intelligent".
Auf dem Titel der Zeitschrift ist ein gebrechlicher Mann mit Turban in einem Rollstuhl zu sehen, der von einem orthodoxen Juden geschoben wird. "Man darf sich nicht lustig machen", wird den beiden Figuren in einer Sprechblase in den Mund gelegt. Darüber steht der Titel "Intouchables 2", - in Anlehnung an den Film "Intouchables", der in Deutschland sehr erfolgreich unter dem Titel "Ziemlich beste Freunde" lief.
Im Inneren des Blattes sind weitere Zeichnungen, die unter anderem den Propheten Mohammed zeigen, der nackt vor einer Kamera liegt.
Chefredakteur sieht keine besondere Schärfe
Der Chefredakteur des Satiremagazins verteidigte die Karikaturen am Dienstag. Die Zeichnungen seien nicht provozierender als gewöhnlich und würden "jene schockieren, die schockiert werden wollen und eine Zeitschrift lesen, die sie nie lesen", sagte Stéphane Charbonnier in einem Fernsehinterview.
Bereits vor Veröffentlichung der neuen Ausgabe traf die französische Polizei Sicherheitsvorkehrungen vor dem Redaktionsgebäude in Paris. Im November 2011 waren Redaktionsräume von "Charlie Hebdo" in Brand gesetzt worden, nachdem die Satire-Zeitschrift eine "Scharia"-Sonderausgabe mit "Chefredakteur Mohammed" gedruckt hatte.
Protestwelle nach islamfeindlichen Video
Die Veröffentlichung der Karikaturen kommt zu einem Zeitpunkt, zu dem die Stimmung in muslimischen Ländern ohnehin schon aufgeheizt ist: Wegen eines islamfeindlichen Videos aus den USA gibt es seit vergangener Woche in mehreren muslimischen Ländern teils gewaltsame Proteste vor US-Einrichtungen und anderen westlichen Vertretungen. Dabei wurden mehrere Menschen getötet, unter ihnen der US-Botschafter in Libyen.
Ägyptischer Haftbefehl gegen Schmähfilm-Macher
Am Montag hatte der ägyptische Generalstaatsanwalt einen Haftbefehl gegen den mutmaßlichen Regisseur des Islam-Schmähfilms, Nakoula Basseley, erlassen. Außerdem wird gegen den islamfeindlichen US-Prediger Terry Jones und sechs ägyptische Kopten, die im Ausland leben, ermittelt.
Ihnen werde vorgeworfen, den Islam beleidigt und öffentlich angegriffen sowie falsche Informationen verbreitet zu haben, teilte das Büro des Staatsanwalts mit
Ägypten verlangte die Auslieferung der acht Beschuldigten. Gegen die Angeklagten könnte die Todesstrafe verhängt werden. Das Vorgehen der ägyptischen Justiz hat hauptsächlich symbolische Bedeutung, da sich die sieben angeklagten Männer und eine Frau vermutlich in den USA aufhalten.