Mi, 16.05.2012 | 23:45 Uhr
Am 27. Januar wird weltweit der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Im Jahr 1945 wurden an diesem Tag die Überlebenden des Vernichtungslagers Auschwitz durch die Rote Armee befreit. Auschwitz steht symbolhaft für den Völkermord und die Millionen Menschen, die vom Nazi-Regime verfolgt und umgebracht wurden. Den weltweiten Gedenktag gibt es seit 2006.
In Deutschland wird mit einer Reihe von Veranstaltungen an die NS-Opfer erinnert.
Bei einer Gedenkstunde des Bundestags erinnerte der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki an die Deportation der Bewohner des Warschauer Ghettos in Vernichtungslager. Er spreche als Zeitzeuge, nicht als Historiker. Als Deutsch-Übersetzer beim "Judenrat" im Ghetto habe er "das Todesurteil diktiert, dass die SS über die Juden von Warschau gefällt hatte".
Das Warschauer Ghetto wurde durch die SS ab dem 22. Juli 1942 schrittweise aufgelöst und die Bewohner in Vernichtungslager geschickt, vor allem in das Konzentrationslager Treblinka. Der 91-Jährige Reich-Ranicki wuchs in einer deutsch-polnischen jüdischen Familie auf und überlebte die Gefangenschaft im Warschauer Ghetto.
Warnung vor Rechtsextremismus
Bundestagspräsident Norbert Lammert (CDU) rief die Gesellschaft dazu auf, sich gegen Rechtsextremismus und Umtriebe von Neonazis zu engagieren. Lammert erinnerte an die im vergangenen Herbst aufgedeckte Neonazi-Mordeserie. Diese Gewalt sei nicht zu akzeptiren. Der Parlamentspräsident wies darauf hin, dass nach aktuellen Untersuchungen 20 Prozent der Bundesbürger latent antisemitisch eingestellt seien. "Das sind in Deutschland genau 20 Prozent zu viel", sagte er.
Die Gedenkstunde des Bundestags fasst Sabina Matthay im Gespräch mit Heiner Martin zusammen.
Neben der zentralen Gedenkstunde gab es in Berlin und Brandenburg weitere Veranstaltungen zum Holocaust-Gedenktag.
Brandenburgs Landtagspräsident Gunter Fritsch (SPD) rief im ehemaligen Konzentrationslager Sachsenhausen dazu auf, die Erinnerung an die Nazi-Verbrechen dauerhaft aufrecht zu erhalten. Dies sei keine historische Last, sondern eine große Chance.
In Berlin wurde am Morgen am Theodor-Heuss-Platz mit einer Schweigeminute an die Opfer des NS-Regimes erinnert. Am Abend findet im Berliner Dom ein Gedenkkonzert statt.