Marc Jan Eumann (SPD)
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Bild: imago/Horst Galuschka

- Na da gratulieren wir doch, Herr Eumann!

Eine Marketingstrategie, komponiert aus Dummheit und Eitelkeit und eigentlich gedacht zur Vermehrung des persönliches Ruhmes, könnte möglicherweise nach hinten losgehen. Das befürchtet - oder hofft? - Kolumnistin Renée Zucker im Fall des aufstrebenden SPD-Politikers Marc Jan Eumann.

Eigentlich ist Twittern ziemlich doof - ich meine, wer außer dem amerikanischen Präsidenten hat Zeit für sowas? Aber hin und wieder gibt es Tweets, die sind so schön, dass man sie einfach weiter erzählen muss. Zum Beispiel der von Medienjournalist Stefan Niggemeier, mit dem Zitat eines Radio-Interviews des neu gekürten Direktors der Landesmedienanstalt Rheinland Pfalz mit Namen Marc Jan Eumann von der SPD.

Auch wenn wir bislang nie von dem gehört haben und kaum wissen, was er demnächst im schönen Rheinland-Pfalz zu tun gedenkt, hat er sich schon bekannter gemacht, als ihm möglicherweise lieb sein könnte.

Er hat nämlich seine jedem zustehenden 15 Minuten - nein, nicht Welt- aber wenigstens Landesruhm verschwendet, indem er auf die Nachfrage der Moderatorin nach seiner Medienkompetenz nicht nur antwortete, dass er die als Politiker selbstverständlich mitbringe. Und wie um diese politikerhafte Medienkompetenz unter Beweis zu stellen, wies er sie darauf hin, dass es zum guten Stil gehöre, ihm erst mal zu gratulieren, dass er die Wahl gewonnen habe.

Natürlich ging es genau um diese Wahl, von der viele vermuten, ob sie nicht eher unter "Klüngel" zu laufen habe.

Niggemeier tweetete also eine Teil-Abschrift des Interviews, woraufhin unter all den höhnischen, empörten und entschuldigenden Gratulations-Antworten ein Aufruf retweetet wurde, man möge bitte per Whatsapp eine Sprachnachricht mit Gratulationen an Herrn Eumann schicken, die dann am Freitag, also morgen im Radio abgespielt werden.

Hoffentlich übernehmen ganz viele Sender die bestimmt sehr komischen Glückwünsche.

In diesen Zeiten, da man sich weltweit nur noch von Macht- und pöstchenberauschten Ego-Schurken umzingelt sieht, bleibt uns nur noch Witz als Waffe.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.