Teddy Bär mit Fieberthermometer
imago/blickwinkel/McPhotox/Erwin Wodicka
Bild: imago/blickwinkel/McPhotox/Erwin Wodicka

- Bloß nicht krank werden!

Es ist grau und kalt und nass,- das perfekte Erkältungswetter. Thomas Hollmann hat es zwar noch nicht erwischt. Aber der Kolumnist überlegt, absichtlich krank zu werden. Um nicht mehr dem Stress ausgesetzt zu sein, gesund zu bleiben.

Wo man geht und steht und surft und guckt - überall und jederzeit bekommt man Tipps und Handlungsanweisungen, wie eine Erkältung zu vermeiden ist. Obst, Gemüse, Hülsenfrüchte, frische Luft, Sport, Zink, Ingwertee, Yoga, fünfmal täglich die Hände waschen und abends ein Fußbad mit Senfmehl. Selbst meine Email-Klitsche malträtiert mich mit gesundheitserhaltenden Ratschlägen. Und der Spiegel nutzt die offensichtliche Angst vor der saisonalen Schwächung, um ein neues Magazin aufzulegen: "Wohl – Fit und gesund durch den Herbst".

Da frage ich mich: Ist das wirklich so schlimm, sich zu erkälten? Okay, es ist angenehmer, man ist es nicht. Aber sterben tut man nur in den seltensten Fällen an einer Erkältung. In aller Regel muss man nicht einmal ins Krankenhaus. Weshalb ich es für übertrieben halte, eine viral-publizistische Ratgebersparte zu unterhalten. Zumal: je länger man gesund bleibt, desto größer die Angst, dass es einen doch noch erwischt.

Und das ist Stress. Und Stress ist nicht gut. Weil: Stress greift das Immunsystem an. Habe ich in der Brigitte gelesen. Deshalb sollte man besser nicht depressiv werden. Stand da auch. Weil so eine Depression - ähnlich wie kalte Füße - die Abwehrkräfte schwächt. Mit dem Unterschied, dass man einer Depression keine Wollsocken überziehen kann. Und dann liegt man da: depressiv und erkältet.
 
Deshalb soll man sich entspannen. Aber wie, bitte sehr, soll man das anstellen, wenn man ständig in die Sauna rennen, eine Nasendusche betreiben und möglichst viel Sonne tanken muss? Das ist ein Fulltimejob, sich nicht zu erkälten.

Ein gut gemeinter Tipp meinerseits: Wenn die Sonne mal nicht scheint oder Sie keine Lust haben, sich eine halbe Stunde mit entblößtem Oberkörper auf den Bürgersteig zu stellen,- essen Sie einfach drei Dosen Sardinen. Da ist auch Vitamin D drin.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.