Tourist in Berlin
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- Maximal mittelglücklich

Der Glücksatlas hat wieder einmal das Glück der Deutschen vermessen und kommt auf einer Skala von 0 bis 10 auf Glückswerte zwischen 6,83 (in Sachsen-Anhalt) und 7,43 (in Schleswig-Holstein). Und was ist mit Berlin? Wo doch immer alle hin wollen? Die Einwohner der Hauptstadt liegen mit 6,94 gerade mal im unteren Mittelfeld: Auf Platz 15 von 19. Kolumnistin Renée Zucker fragt sich, wie es sein kann, dass sogar die Hessen glücklicher sind.

Ist das zu fassen? Wir sind zwar glücklicher als Brandenburger - was wirklich keine Kunst ist - und gerade mal so glücklich wie die Sachsen (erstaunlich, nicht?), während Thüringer doch  tatsächlich 3 Glückspunkte mehr als wir haben. Das muss an der Natur liegen.

Ganz zu schweigen von Bayern, Baden-Württembergern, Rheinlandpfälzern - alle sind so viel glücklicher als wir; sogar Hessen und Nordrheinwestfalen, das muss man sich mal vorstellen: Hessen glücklicher als wir, obwohl ihr Abitur genau so wertlos ist wie das unsere, - besonders ungebildete Abiturienten fragt man stets: Kommst du aus Berlin oder aus Frankfurt? Und erst die NRWler mit ihrem Dauerregen gegen unser wunderschönstes Kontinentalklima: beide absolut glücklicher. Und unfassbar: am allerseligsten die Schleswig-Holsteiner mit ihren Kieler Sprotten, Lübecker Marzipan und ein paar armseligen Austern auf Sylt. Alle erheblich glücklicher als wir Hauptstädter.

Wie konnte das passieren? Vermutlich, weil hier nur Touristen so richtig rundum glücklich sind. Touristen, die man auf allen Billigfliegerflughäfen an ihrem ausgesuchten Partyoutfit erkennt. Unter ihnen natürlich vor allem Schleswig-Holsteiner, NRWler und Baden-Württemberger, die sich hier für billig Geld die Nächte um die Ohren hauen und dann zuhause wieder unendlich glücklich von ihren tollen Berliner Erlebnissen sind und schon den nächsten Flug gebucht haben, auf den sie sich jetzt schon wie Bolle freuen, während der coole Berliner durchaus wahrheitsgemäß und realistisch sagt: Es könnte besser gehen.

Und nur weil hier ein paar Schwaben und Nordlichter in den Clubs die Sau rauslassen, müssen wir ja nicht gleich vor lauter Freude quietschen. Es könnte besser gehen. Natürlich könnte es das. Überall.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.