ARCHIV - Eine Scheibe Schwarzbrot mit Butter und Nutella, aufgenommen am 15.04.2013 in Nürnberg (Bayern).
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- Nutella und die Angst vorm Dunklen

Aufregung am Frühstückstisch: Die Nutella ist nicht mehr die alte. Ferrero hat die Rezeptur geändert. Das hat die Verbraucherzentrale Hamburg festgestellt – und unseren Kolumnisten Thomas Hollmann alarmiert…

Die neue Nutella ist heller. Nicht mehr schwarz-braun, sondern braun-braun. Man könnte sogar meinen, der Farbton changiere ins Cappuccinige. Was die These erhärten würde, dass selbst die Grundfesten der bundesrepublikanischen Genussgesellschaft nicht mehr sicher sind vor Friedrichshainer Hipsterhaftigkeit.

Aber vielleicht will Ferrero auch nur weg vom Dunklen. Schwarz hat einfach kein gutes Image. Schwarze Pädagogik, schwarze Magie,- selbst die CDU will nicht mehr richtig schwarz sein. Da kann man die Nutella-Leute verstehen, dass sie sich künstlich aufhellen. Mit mehr Milchpulver: 8,7 Prozent statt 7,5.

Dafür ist weniger Kakao drin, vermutet die Hamburger Verbraucherzentrale. Aber es  bleibt bei der Vermutung. Denn den Kakao-Anteil muss Ferrero nicht aufs Glas drucken. Und eine entsprechende Anfrage ließ der Konzern unbeantwortet. Woraufhin die Verbraucherschützer den Vorwurf mangelnder Transparenz erhoben.

Tatsächlich wüsste ich gerne, warum ich neuerdings in ein Cappuccino-Brötchen beißen muss? Und ob mit das Viktor Orban auf die Stulle geschmiert hat? Hatte die ungarische Lebensmittelbhörde doch moniert, die West-Nutella schmecke schokoladiger als die in Budapest. Und weil die Leibnitz-Kekse in Deutschland mehr Butter beinhalten als die in Polen und die Fischstäbchen in Österreich fischiger sind als die slowakischen, war schon von Lebensmittelrassismus die Rede. Und vom Mülleimer Europas.

Da könnte Ferrero doch die Gunst der Stunde genutzt haben. Statt die Ost-Nutella auf West-Niveau anzuheben, dimmt sie den Aufstrich orban-mäßig runter. Und gibt dem Affen ordentlich Zucker. Und auch uns: 56,3 Prozent statt bislang 55,9.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.