Eine Pizza mit Belag in den italienischen Nationalfarben, aufgenommen vor einem Restaurant in Rom
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- Italien schmeckt zu Hause besser

Wenn einer eine Reise tut, dann kann er was erzählen. So auch Inforadio-Kolumnistin Renée Zucker: Die war nämlich in Italien und wollte etwas über das Christentum erfahren. Das hat sie letzten Endes auch - und die Erkenntnis gewonnen, dass der Satz "diese Pizza schmeckt aber original wie in Italien" gar nicht immer zwingend ein Kompliment sein muss.

Fatima und ich waren in Italien. Fatima wollte sich über das Christentum informieren, also sind wir nach Florenz, haben eine Schleife durchs Chianti gedreht, damit auch der Messwein nicht zu kurz kommt, und dann aber ab nach Rom. Abgesehen davon, daß wir ab Tag 8 keine frommen Bilder mehr sehen wollten,- wiewohl uns bis dahin alle gefallen hatten - und wir das Beeindruckendste die Villa Adriana, also Kaiser Hadrians Sommerresidenz in Tivoli fanden, wo wenig Frommes aber dafür vieles Schöne zu sehen war, wunderten wir uns vornehmlich über den zwar anhaltenden, aber doch fragwürdigen Mythos der großartigen, durch nichts zu übertreffenden italienischen Küche.

Was haben wir lange suchen müssen, bis wir etwas fanden, was mit einem mittelteuren Berliner Gastronomiebetrieb mithalten konnte. Ja, selbst unsere Eisdielen fanden wir besser. Eine wahrlich zunächst erschütternde, dann aber auch sehr freudige Erkenntnis, mit der wir zurückfuhren, zumal Fatima zusätzlich noch imense Christentumkunde mit nachhause brachte, obwohl ich ihr die Heilige Dreifaltigkeit nicht befriedigend erklären konnte. Aber wer kann das heutzutage schon - und die Antwort, dass das eben das Mysterium ist, zieht in digitalen Zeiten nicht so richtig.

Richtiggehend schockiert hat mich dann jedoch ein Gespräch zwischen zwei deutschen Bürokollegen am Flughafen Fiumicino auf dem Terminal von Alitalia. Sie lästerten über eine Vorgesetzte, die ihre Reise organisiert hatte und dann behauptete der eine, ein anderer Chef hätte wenigstens noch eine Papstaudienz hingekriegt. Für 250 Mitarbeiter - hätte nur 1 Mio gekostet. Ich habe mich schwer zusammengerissen, um nicht nachzufragen, welcher Papst wohl solche Geschäfte macht - vielleicht weiß er ja auch gar nichts davon - und eventuell ist das auch der Ersatz für den Ablaßhandel. Letztendlich weiß man ja heutzutage doch recht wenig über die Geheimnisse des Religiösen.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.