Ein Pirol sitzt auf einem Zweig
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- Alle Vögel sind schon weg

Amsel, Drossel, Fink und Star - da hört es bei den meisten Kindern aber auch schon wieder auf mit der Vogelschar. Und genau darüber musste Kolumnistin Renée Zucker nachdenken, als ihr das Lied von der Krummen Lanke in den Sinn kam.

Gut, dass Freddy Sieg das nicht mehr mitgekriegt hat. Freddy Sieg verdanken wir das schön frivole Lied von der Krummen Lanke. "Und dann saß ich mit der Emma uff der Banke, über uns sang schmelzend ein Pirol, unter uns da lag so still die Krumme Lanke, neben uns aß eener Wurscht mit Sauerkohl" - da war noch alles in Ordnung mit den Beiden, was eindeutig die Anwesenheit des tirillierenden Pirols beweist. Und damit kommen wir zu Freddy Siegs Verdienst, das nämlich manch einer zumindest noch den Namen Pirol kennt, obwohl wir hier schon lange gar keinen mehr zu sehen bekommen. 

Keine Vögel in den Charts

Unsere Kinder und Kindeskinder werden vermutlich das Lied von der Krummen Lanke nicht mehr hören und kennen, deshalb auch den Namen des leuchtend gelben, Amsel großen Sängers nicht, und außer "Amsel, Drossel, Fink und Star" vielleicht auch sonst keine Art mehr, denn heutzutage ist auch in Popsongs von keinem Vogel mehr zu hören.

Keine Band würde sich mehr "The Byrds" oder "The Doves" nennen oder wie die Beatles von Amseln, wie REM von Schwänen und Kolibris, wie Prince von weinenden Tauben, wie Leonard Cohen vom Vogel auf der Elektroleitung, vom Fliegen wie ein Adler und segeln wie eine Möwe, ja nicht mal mehr vom Albatross oder Condor Pasa wird heutzutage gesungen, nur noch "Mimimi, sie hat mich verlassen" - ohne Trost von Staren und Lerchen.

Von Spatzen und Meisen

So werden also unsere armen Kindlein nicht nur immer kurzsichtiger, weil sie hauptsächlich auf Bildschirme starren und nicht mehr den Horizont absuchen können, sie könnten dort auch einen Spatz nicht mehr von einer Meise unterscheiden und haben Angst im Park, wenn die Drosseln durchs Laub rascheln.

Dass Eltern keine Zeit mehr haben, Wald- und Flurausflüge zu unternehmen, können wir kaum ändern, aber dass in der Popmusik wieder mehr Vögel auffliegen sollten, darum können wir schon bitten.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.