Ein Landwirt sprüht mit einem Traktor und Ausleger selektive Herbizide zur Vernichtung von Unkraut auf ein Feld mit Zuckerrüben
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- Die Zeit drängt!

Die beängstigenden Ergebnisse einer Langzeitstudie der California-Universität in San Diego über die Wirkungen des Unkrautvernichters Glyphosat, und eine hemdsärmelig-verantwortungslose Verharmlosung derselben durch den deutschen Bauernverband - darüber denkt Kolumnistin Renée Zucker nach.

Vorgestern empfahl das Europaparlament, das Unkrautvernichtungsmittel Glyphosat nur noch bis Ende 2022 zuzulassen. Die Landwirte, die es benutzen, sollen sich in diesen noch verbleibenden fünf Jahren eine Alternative überlegen.

Unlängst veröffentlichte die Universität California in San Diego eine Studie zu Glyphosat: Zwischen 1993 und 2016 wurden regelmäßig von 100 Menschen Urinproben untersucht. In diesen Jahren hat sich die Menge von Glyphosat und seinen Abbauprodukten im Urin verfünffacht. In Kalifornien ist Glyphosat, wie auch von der WHO mittlerweile als potenziell krebserregend eingestuft worden. Das besorgniserregende Insektensterben ist laut Umweltschützern ebenfalls dem vielfachen Pestizideinsatz geschuldet.

Dem Präsidenten des Deutschen Bauernverbandes fällt dazu nur Abwehr ein. Er sagt einerseits, dass hierzulande Glyphosat sowieso nur in kleinsten Mengen und oft sogar gar nicht eingesetzt werde, spricht aber andererseits von drohenden Wettbewerbsnachteilen für deutsche Bauern. Für ihn ist das alles eine "unwissenschaftliche Angstkampagne" und eine "politische Kampagne gegen Monsanto". Das hört sich an wie die Tweets des amerikanischen Präsidenten.

Wäre ich Bauer, würde ich schleunigst einen neuen Präsidenten wählen. Einen, der sagt: Hey Leute, wir haben fünf Jahre Zeit, um uns was Besseres zu überlegen. Das schaffen wir. Vielleicht sogar in viel schnellerer Zeit. So wie die Autobahnreparierer.

Derartig schlichte Old-School-Kommunikation wie die seine als Lobbyarbeit kann man doch heutzutage keinem mehr zumuten.

Hoffentlich agieren die Grünen in den Koalitionsverhandlungen besser, damit die neue Bundesregierung sich eindeutig für ihre Bürger positioniert.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.