Würfelbecher mit Würfel
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- Bäckerglück

Normalerweise läuft das beim Bäcker ja so: Man geht hinein, steht ein bisschen an, kauft ein Brot oder ein paar Schrippen, bezahlt und geht wieder raus. Normalerweise. Inforadio-Kolumnist Thomas Hollmann hingegen hat erlebt, wie ein Gang zum Bäcker zum Glücksspiel wurde.

Irgendwann stand der Becher auf dem Tresen. Gleich neben der Wechselgeldschale. Zuerst dachte ich, den hätte jemand vergessen. Vielleicht einer, der die Nacht durchgemacht hat. Vielleicht hatte er sogar was gewonnen.

"Woll’n Se‘ auch mal?", fragte mich die Verkäuferin.

"Was denn?"

"Na, würfeln."

Ja, was sollte man auch sonst wollen mit einem Würfelbecher, der neben der Wechselgeldschale steht, als zu würfeln? Man könnte allerhöchstens versuchen, mit dem Becher Fliegen zu fangen. Aber die gibt es ja gerade nicht.

"Wenn Sie eine 3 würfeln, dürfen Sie sich ein Stück Kuchen aussuchen", erklärte mir die Verkäuferin die Spielregeln. Woraufhin ich wissen wollte, wie hoch der Einsatz ist.

 "Wieso Einsatz? Sie wollen doch was kaufen, oder?"

"Ja, ein Stück Butterstreusel."

"Na, dann dürfen Sie auch würfeln."

Mir war unwohl bei der Sache. Man hört ja das immer wieder, wie schnell man spielsüchtig wird. Außerdem fand ich das irgendwie unpassend, in einer Bäckerei zu zocken. Aber dann habe ich doch den Becher genommen und ihn mit dem einem Würfel drin auf den Tresen gehämmert. Es war eine 5. Ich bezahlte das Stück Butterstreusel und ging enttäuscht nach Hause.

Als ich am nächsten Tag zurückkam, war meine Strategie, nur eine Schrippe zu kaufen und zu schauen, ob ich die Ausgabe für den Kuchen mit etwas Glück einsparen könnte. Aber auf dem Tresen stand nur die Wechselschale. Der Becher fehlte.

"Würfeln ist nur dienstags", sagte die Verkäuferin.

Und dass Mittwoch kein Aktionstag sei. Der Aktionstag sei Dienstag.

Da habe ich mich umgedreht und bin raus. Auf dem Nachhauseweg habe ich mir geschworen, nie wieder bei Media Markt Schrippen zu kaufen.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.