Freiburgs Trainer Christian Streich
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- Fragwürdige Freundschaft

Er ist Trainer des Fußball-Bundesligisten Freiburg, aber ausgezeichnet wird Christian Streich, weil er gerne liest. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels verleiht dem Coach den Titel "Bücherfreund des Jahres". Für Inforadio-Kolumnist Thomas Hollmann ist das eine zweifelhafte Ehre.

"Bücherfreund des Jahres", das hört sich fast so gut an wie "Trainer des Jahres". In manchen Kreisen vermutlich sogar besser. Würde mich nicht wundern, wenn der Börsenverein des Deutschen Buchhandels seinen neuen Ehrentitel deshalb an einen Fußballer vergeben hat,- damit sich der Streich geehrt fühlt und auch artig zur Verleihung kommt.

Christian Streich werbe in der Öffentlichkeit für das Lesen, heißt es in der Begründung der Jury. Und dass der Trainer nicht nur im Fußball, sondern auch bei gesellschaftlichen Themen engagiert Position beziehe. Nun haben viele andere Menschen, unabhängig von ihrem Beruf, ebenfalls eine Meinung und vertreten die bisweilen recht lautstark. Das ganze Internet ist voll davon. Sind das jetzt auch alles potentielle Bücherfreunde? Oder muss man schon einer bestimmten Ansicht sein, die vom Börsenverein geteilt wird, um entsprechend geehrt zu werden? Das fände ich problematisch, wenn sich Freundschaft – und sei es die zum Buch – an der Nähe zu einem Lobbyverband bemisst.

Vielleicht geht es dem Börsenverein um all das auch gar nicht. Und die Buchverkäufer haben sich einfach nur einen ausgesucht, den die Leute kennen. Das macht der Burda-Verlag mit seinem Bambi schließlich genauso. Franz Beckenbauer hat schon fünf Stück. Und Joachim Löw bekam vergangenes Jahr den Bambi für Integration. Wieso Integration?, wird sich der Bundestrainer da vielleicht gefragt haben. So schwierig ist der Mario Götze doch gar nicht. Den Preis angenommen hat er trotzdem.

Jetzt muss der Börsenverein des Deutschen Buchhandels nur noch beweisen, dass der Jogi gelegentlich auch was anderes liest als den "Kicker".

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