Tupolew_Teil_auf_dem_Tieflader
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Tupolew auf dem Tieflader | Bild: rbb|Katja Geulen

- Zeit der Flugzeug-Überführungen

In der Nacht zum Montag war auf der Autobahn was los: Ein Passagierflugzeug wurde aus Mecklenburg-Vorpommern nach Cottbus transportiert – verteilt auf vier Schwerlaster und eskortiert von der Polizei. Die Tupolew soll im Flugplatzmuseum Cottbus ausgestellt werden. Für unseren Kolumnisten Thomas Hollmann ist das zu viel des Flugzeug-Tourismus.

Erst die „Landshut“, die der Außenminister aus Brasilien heimholte, um sie in Friedrichshafen zum begehbaren Deutscher-Herbst-Erlebnispark herzurichten. Und jetzt die TU-134-A. Die hat zwar keinen richtigen Namen, und Entführungen wurden in ihr nur geübt, aber immerhin. Als Objekt der DDR-Erinnerungskultur taugt der Doppelstrahler allemal.

Erst recht, wenn die Leute vom Cottbusser Flugplatzmuseum die Tupolew in den Originalzustand von 1989 zurück versetzt haben. Als die Stasi ihre eigene GSG 9 in den Flieger jagte und imaginäre Kidnapper erschießen ließ. Der Mielke glaubte offensichtlich, wer eine Interflug-Maschine kapert, der stoppt noch mal kurz in Schönefeld, statt nach München durchzufliegen.

Die letzten 20 Jahre stand die TU-134-A in Grünz, im Garten eines Gastwirtes. Der Kneipier wollte aus dem Flugzeug ein Café machen. Aber die vorpommerschen Behörden waren dagegen. Wegen der fehlenden Deckenhöhe. Was einer gewissen gesamtdeutschen wie bürokratischen Tragik nicht entbehrt. Immerhin hat der Gastwirt noch 10.000 Euro für den Flieger bekommen. Und um den Transport musste er sich auch nicht kümmern.

Eigentlich gehe es gar nicht um früher und um die DDR. Hat einer vom Cottbusser Flugplatzverein gesagt. Es gehe um die Größe. So eine Tupolew sehe man schon von weitem. Das sei eine riesige Reklametafel. Nun lässt sich darüber streiten, ob ein Stasi-Flugzeug, das in der vorpommerschen Ebene zur Erstürmung rum stand, das richtige Werbemittel für eine Himmelsschau ist.

Auf der anderen Seite: Für die TU-134-A muss der Steuerzahler nichts zahlen, für das Terror-Disneyland in Friedrichshafen dagegen schon.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.