Filmproduzent Harvey Weinstein mit Georgina Chapman
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- Mächtige Männer und der Missbrauch

Vor zwei Wochen war Harvey Weinstein noch einer der einflussreichsten Männer in Hollywood. Jetzt ist alles anders - wegen der Affäre um sexuelle Übergriffe entließ ihn seine Firma, auch die Oscar-Akademie schloss Weinstein aus. Klar ist aber auch, dass schon seit Jahren viele im US-Filmbusiness Bescheid wussten über Belästigungen, Missbrauch und Vergewaltigung. Kolumnistin Renée Zucker geht der Frage nach, ob alles in diesem Fall so eindeutig ist, wie es manche gern hätten.

Niemand von uns arbeitet  in Hollywood, dennoch hat uns der Fall Harvey Weinstein mitgenommen. Frauen wie Männer. Unentschieden bleibt, wie Weinsteins sexualisierte Gewalt gewertet wird. Für die einen ein klarer Fall von Frauenverachtung, andere empfinden es als Machtmissbrauch. Erstaunlich jedoch, wie wenig Selbstvertrauen so viele präsente und gut verdienende Frauen haben.

Es wäre zudem ehrlich, bei diesem Fall auch über weibliche Komplizenschaft zu sprechen - ohne die Erklärung mancher Expertinnen beiseite zu wischen, die Frauen seien jung, unsicher und ängstlich ob des Karriereverlusts gewesen. Die Detailbeschreibungen eines grabschenden und ständig Frauen beleidigenden Präsidenten, der das, wie's aussieht, nicht nur mit schweigender Zustimmung seiner Exen und derzeit Ehefrau, seiner vielgelobten Tochter, sondern auch mit der seiner ungebrochen begeisterten Wählerinnen, tut, bleiben folgenlos.

Meryl Streep, die anlässlich eines Oskars Weinstein noch vor 5 Jahren als "Gott" bezeichnete, fühlte sich immer mit Respekt behandelt und zeigt sich schockiert. Was  verwundert, als es augenscheinlich sonst jeder in Hollywood wusste - 2013 moderierte das Multitalent Seth MacFarlane die Oscarverleihung und gratulierte den nominierten Schauspielerinnen mit dem Satz: "Glückwunsch Ladies, ihr müsst jetzt nicht mehr so tun, als ob ihr Harvey Weinstein attraktiv fändet" - und alle haben gelacht.  Weinstein vermutlich auch.

Dumm für ihn, dass seine Erfolgssträhne zu Ende ist. Da stürzt man sich gern auf  unappetitlich Schwächelnde. Auch die, deren Geschäft es ist, genau das zu verkaufen, von dem Weinstein irrtümlich annahm, dass es ihm jederzeit zusteht. Ob er ein größeres Arschloch ( als das ihn gestern die FAZ bezeichnete) ist, als manch andere - nicht nur in seinem Business, - so nannte Late Night-Talker John Oliver neulich Trump den Weinstein der Politik  - wage ich zu bezweifeln.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.