Hydrant im Wald bei Borkwalde (Bild: imago/Steinach)

- Gelegenheit macht Brandstifter

Es ist heiß und trocken. Und deshalb gilt in weiten Teilen Brandenburgs: Waldbrandgefahr. Schon wieder, muss man sagen. Denn bereits am 1. Mai wurde die zweithöchste Gefahrenstufe ausgerufen. Und da fragt sich unser Kolumnist Thomas Hollmann: Wie lebt es sich in einem Land in Alarmbereitschaft?

Das Problem ist nicht nur, dass es ständig überall brennen kann. Manchmal sieht es auch nur so aus. Nämlich wenn die Dorfjugend auf den Sandwegen Autorennen spielt. Dann melden die Alarm-Kameras auf den Mobilfunkmasten die pubertären Staubfontänen als Rauchsäulen. Und dann muss der Förster wieder raus und nachgucken, ob’s nicht doch brennt.

Im Zweifel auch Weihnachten. Denn der Winter schützt gar nicht vor Feuer. Weil dann das Herbstlaub vor sich hin dorrt, und der ewige Wind es raspeltrocken fönt, so dass die klassische Kippe zu ihrem entzündenden Einsatz kommt und des Försters Festschmaus ruiniert.

37 Brände hat Brandenburgs Waldschutzbeauftragter mit dem programmatischen Engel in diesem Jahr bereits gezählt. Wobei mehr als die Hälfte vorsätzlich gelegt wurden. Und da stellt sich doch die Frage, ob Gelegenheit nicht nur Diebe macht, sondern auch Brandstifter. Im verregneten Sauerland müsste sich der Pyromane jedenfalls ein neues Hobby suchen.

Hier aber kann der Unbekannte gleich nach dem Himmelsguss wieder zur Tat schreiten, rauscht der spärliche Regen doch durch den bröseligen Boden hindurch, als sei es der Abfluss einer Badewanne. Darüber hatte sich seinerzeit schon Friedrich beschwert, dass er über eine Sandstreubüchse herrsche und nirgends Lehm sei. Aber so wird es dem Waldschutzbeauftragten zumindest nicht langweilig.

Letztlich ist Brandenburg wie Berlin: extrem. Aber hat man sich daran gewöhnt, will man nicht mehr weg. Und ist man’s doch mal, vermisst man die Irren in der S-Bahn wie die täglich aktualisierte Waldbrandstufenanzeige. Die geht von 1 bis 5. Und wir sind schon wieder bei 4. Da ist es vielleicht ganz sinnvoll, dass da ein Engel sein Auge drauf hat.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.