Bierglas nah, Quelle: Colourbox

- Deutsche Bierbrauer

Die deutschen Bierbrauer haben am Brandenburger Tor gewarnt - vor dem Verzehr von Bier. Der Präsident des Deutschen Brauer-Bundes forderte gemeinsam mit der Drogenbeauftragten der Bundesregierung Schwangere auf, auf Alkohol zu verzichten. Für Kolumnist Thomas Hollmann ist da eindeutig zu viel gute Absicht im Spiel.

Mir geht die gesundheits-politische Korrektheit der deutschen Bierbrauer allmählich auf den Hopfen. "Don’t drink and drive", "Bier? Sorry. Erst ab 16", und jetzt: "Schwanger. Natürlich ohne Alkohol". Ein Warnhinweis jagt die nächste Benimm-Kampagne. Am Ende vereiden die Brauer auch noch nichtschwangeren, unmotorisierten Erwachsenen den Rausch. Ach so, das tun sie ja bereits: "Unser Bier. Bewusster Genuss".

Der Bundesernährungsminister gratuliert zur Aktion, wahrscheinlich weil sich der Deutsche Brauerbund zu einem "verantwortungsvollen Konsum" bekennt. Irgendwann denken die Leute bei Bierwerbung an Krebsvorsorge und Darmspiegelungen. Da wünscht man sich die Zeiten zurück, in denen man rücklings den Barhocker runter kippen konnte, ohne dass dies jemanden gestört hätte oder in einen gesamt-gesellschaftlichen Rahmen gestellt worden wäre.

Natürlich: Alkoholismus ist kein Spaß, und ein Baby sollte nicht besoffen auf die Welt kommen, wie man auch besser niemanden volltrunken tot fährt. Aber mir ist das einfach zu appellativ. Zumal: Ich muss ja auch noch an Afrika denken, Sport treiben, frisches Gemüse essen, niemanden ausgrenzen und auch als Hetero Safer Sex haben.

Und jetzt soll ich mir diese durch und durch moralisierte Welt nicht einmal mehr erträglich trinken dürfen, sondern auf Alkoholfreies umsteigen? Denn darum geht es: Die Brauer wollen ihren verlustig gegangenen Stammtisch-Platz aus der einstigen Promille-Republik in die Wellness-Gesellschaft hinüber retten.

Das muss man der Tabakindustrie lassen: Die biedert sich nicht an. Die zeigt noch immer Menschen mit stinkender Kippe in der Hand. Das hat schon fast etwas Unerhörtes. Ich als Nichtraucher sehe Zigarettenwerbung mittlerweile gerne. Ich glaube, weil sie mir einen Ausweg aufzeigt - in die Unvernunft.

Zurück zur Übersicht

Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.