Modell eines menschlichen Kopfes, in dem ein Chip implantiert ist (Bild: colourbox.com)

- Ich denke, also kauf ich

Kolumnistin Renee Zucker hat Schwierigkeiten mit der Vorstellung, demnächst über Gedankensteuerung einzukaufen - einem Prinzip, das bei Drohnen oder Prothesen bereits erfolgreich eingesetzt wird.

Ob bei markenbewussten Konsumenten Berlins die Sprachassistentin Alexa Karriere machen wird, möchten wir angesichts des gleichnamigen Einkaufszentrums am Alexanderplatz bezweifeln.

Alexa ist eine Erfindung des amerikanischen Logistikunternehmens Amazon und mit ihr, deren Name aus dem Griechischen kommt und so viel heißt wie "Männer abwehrende" und die nach dem Vorbild des Bordcomputers der Enterprise gebastelt wurde, mit ihr soll nicht nur das Einkaufen noch schneller als sowieso schon funktionieren, sie sitzt mittlerweile in Autos, Kühlschränken und Telefonen und kann einem auch noch die Nachrichten oder den Wetterbericht vorlesen. Vor allem aber kann sie gut zuhören, denn in den Voreinstellungen warten dauerlauschende Mikrofone die ganze Zeit aufs Stichwort Alexa und speichern dann Sprachgeschnipsel in der Cloud.

Nun soll Alexa neulich nicht nur durch Kommunikation mit einem Kind Kekse und Puppenhäuser bestellt, sondern später durch einen Radiobericht darüber noch mehr  Kekse und Puppenhäuser bei Radiohörern geordert haben. Quel malheur! Aber eh wir uns länger damit aufhalten widmen wir uns der Zukunft. Denn schon kommt der nächste Vorschlag für die schönste aller neuen Welten aus dem Technologiemagazin "Wired" - eine I-Phone-Userin wünscht sich statt Sprachassistentix Siri Gedankensteuerung. Das klappe doch bei Drohnen und Prothesen auch ganz gut, ja, selbst ein Gelähmter in Ohio habe dank eines Gehirnchips seinen Arm bewegen können - oh du wahres Wunder der Technik, allerdings haben gerade in Ohio sehr sehr viele Menschen den ab übernächste Woche amtierenden Präsidenten gewählt, man weiß nicht, ob ihre heimischen News ähnliche Qualitäten aufweisen.

Ich jedenfalls möchte keine gedanklichen Bestellungen aufgeben können, so oft wie mir täglich einfällt, was ich alles  gern hätte. Dagegen sind Kekse und Puppenhäuser wirklich Peanuts. Wieviel schöner ist es doch, Dinge in einem Warenkorb zu speichern, den Rechner zuzuklappen und die Chronik zu löschen. Real virtual Reality.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.