Thomas Häßler (Bild: imago/Matthias Koch)

- Bitte nicht den Häßler!

Am Freitag geht es wieder in den australischen Busch. RTL startet die elfte Staffel seines Dschungelcamps. Kolumnist Thomas Hollmann will aber einen Kandidaten nicht in der Hängematte liegen sehen.

Es ist mir egal, welche Doppel-D-Sternchen ihre Plastikbrüste da durchs Buschwerk zwängen. Und wenn sich Ex-Freunde von Ex-Models zum Horst machen wollen, bitte sehr. Aber bei einem Fußball-Weltmeister hört der Spaß auf. Über Thomas Häßler sollen die Leute gefälligst nicht lachen. Günter Wallraff könnte sich als Austauschgeisel anbieten. Das hat er bei einer IS-Geisel ja auch schon mal gemacht.

Hauptsache, Icke Häßler kommt frei. Ohne ihn wären wir seinerzeit gar nicht nach Italien gefahren. Volleyschuss mit links, rechts unten rein, 2:1 gegen Wales, die WM-Quali auf den letzten Drücker geschafft. Da war die vereinte Freude groß im November 89. Ich glaube, ich habe über das Häßler-Tor mehr gejubelt als über den Mauerfall. Auf jeden Fall darf so einer nicht zum Trash-Personal der Republik runter gesendet werden. Das würde sich RTL bei Helmut Kohl auch nicht trauen.

Klar, Häßler hätte absagen können. Aber es gibt Leute, die schaffen das nicht, weil sie auch gar nicht wissen, wie viel wert sie sind. Die sagen sich: Geld kriegen für rumlungern, ist doch super.

Früher haben sich die Stars beizeiten und in Würde aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, um jung und frisch und für das in Erinnerung zu bleiben, für das sie geliebt wurden. Helmut Rahn hat sein Tor von Bern später nicht einmal mehr in seiner Stammkneipe in Essen Frohnhausen erzählt. Und Marlene Dietrich verrammelte ihre Pariser Wohnung von innen. Tempi passati ist man da geneigt zu sagen, angesichts des Finales von Rom.

Vielleicht erklärt sich ja Claudia Roth zu einem Austausch bereit.

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Hundert Sekunden Leben

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