Ein Haussperling sitzt auf einem verschneiten Busch (Bild: Julian Stratenschulte/dpa)

- Vogelzählung

An diesem Wochenende schlägt die "Stunde der Wintervögel". Der Naturschutzbund Deutschland ruft Hobby-Ornithologen auf, eine Stunde lang Piepmätze zu zählen. Die Naturschützer erhoffen sich durch die kollektive Erhebung wissenschaftliche Erkenntnisse. Deshalb überlegt auch Kolumnist Thomas Hollmann mitzumachen.

Ich finde das reizvoll, Teil eines großen Ganzen zu sein, ohne sich dabei an den Händen halten zu müssen. Oder - wie im Falle der in Pfullingen errichteten längsten Löschkette der Welt - einander Wassereimer zu übergeben. Das ist bei der Vögelstunde ebenfalls nicht von Nöten. Da kann sich jeder separieren wie er mag. Ob nun hinter der Fichte oder im Gestrüpp, - Hauptsache, man hat gute Sicht und zählt die Vögel nicht doppelt.

Oder gleich im Dutzend. Da wüsste man dann nicht, ob sich die Amsel tatsächlich vom Befall des Usutu-Virus erholt hat, wenn jemand aus ornithologischer Prahlsucht vorgibt, zehn von denen auf dem Balkon zu beheimaten. Aber in Wirklichkeit wohnt er im Souterrain.

So etwas kann passieren. Aber die Leute vom Naturschutzbund glauben an das Gute der Masse. Auch wenn sich die Schwarmintelligenz bekanntlich als keine wirklich kluge Idee erwiesen hat. Aber beim Kollektivgucken liegt die Sache wohl etwas anders. Schon weil man Strichlisten führen muss. Für jede Vogelart eine. So etwas diszipliniert.

Das sieht man ja auch bei den Verkehrszählungen. Die Leute, die da an den Kreuzungen in ihren Autos sitzen, sind total gewissenhaft: links die Striche für die Pkw, rechts für die Lkw. Wobei ich ja glaube, der eigentliche Spaß besteht nicht darin, Strichlisten zu führen, sondern mitten auf dem Bürgersteig zu parken.

Vielleicht wäre das ja noch eine Idee für den Naturschutzbund, um die Teilnehmerzahl der alljährlichen Vogelzählung zu steigern. Man müsste den SUV-Fahrern erlauben, ins Unterholz zu brettern. Den Unterschied zwischen einem Grünfink und einer Drossel lässt sich auch dort immer noch erlernen.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.