Schokoküsse - wie sie jetzt genannt werden müssen (Bild: colourbox.com)

- Wörterbuch des besorgten Bürgers

Zu Beginn dieser Woche hat sich Kolumnistin Renée Zucker mit Nachrichten und Verlautbarungen beschäftigt, die - wenn nicht nur - besser zu verstehen sind, wenn man der Codes ihrer Sprecher mächtig ist. Der Mainzer Ventil-Verlag informiert die interessierte Welt nun über "Besorgtensprech".

Das "Wörterbuch des besorgten Bürgers" ist 150 Seiten lang und für 14 Euro rechtzeitig zum deutschen Wahljahr - obwohl erst Mitte Dezember erschienen - schon in der zweiten Auflage zu haben. Vier Historiker, Linguisten und Philosophen in Leipzig, haben sich vom mehrfachen Ausrufezeichen bis zum Zigeunerschnitzel (das bekanntermaßen unbedingt wie der Mohrenkopf und der Negerkuss bleiben muss) die beliebtesten Worte von AfD über Pegida bis Reichsbürger so scharfsichtige wie witzig vorgeknöpft.

Sprachanalayse sei keine Oberflächenpolitur, weil es nicht egal ist, wie man Dinge benennt. Sprache schaffe Realität, schreiben sie in ihrem klugen wie klaren Vorwort, bevor sie sich an das erste, sofort von der Qualität dieses Büchleins überzeugende Kapitel über die Ausrufezeichen machen, deren Anzahl die Erregungsleiter desjenigen markiere, der einfach nicht schreibend schreien kann. "2, 3 wirken ruhig und besonnen, ab 8 wird die Wut anschaulich, bei 30 droht die Halsschlagader zu platzen" heißt es, und wir sehen sofort Gernot Hassknecht aus der Heute Show vor uns.

Aber nicht nur bekanntes, auch  - zumindest für den harmlosen Normalbürger - völlig Neues erfahren wir - vom Schlachtruf "Ahu", der angeblich den Spartanern aus der Thermopylenschlacht abgehorcht sei, über "christlich-jüdisch", das plötzlich, wie der "Spaziergang" eine ganz neue und ungute Konnotation bekommt zu "Kulturbereicherer", "Passdeutsche", "Schuldkult", Toleranzfaschismus, Verschwulung und Umvolkung " - das sind nur einige Worte, die wir in ihrem aktuellen Umfeld kennen und begreifen müssen, weshalb dieses Buch unbedingt zum Kauf empfohlen sei - mit 30 Ausrufezeichen.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.