Stilleben mit einem alten Buch und Trockenblumen (Bild: colourbox.com)

- Aus dem Buch des Lebens

Kolumnistin Renée Zucker stieß ganz zufällig auf eine Art Internet-Journal, das etwas aus der Zeit gefallen anmutet, aber wohl nur das Projekt wohlmeinender Menschen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen wollen und sich dabei in bester Gesellschaft zu wähnen.

"The Book of Life" ist so was wie Readers Digest für sich gebildet dünkende Stände im Internet. Ein bisschen trutschig, ein bisschen sekular rumfrömmelnd, ein bisschen interessant.  Was man für wichtig hält: Geld, Beruf, Beziehungen und Ängste - ist auf einer Seite  versammelt, um Wissen zu vermehren, ein paar Informationen oder Aphorismen zu angesagten Themen zu finden und sich beim Scrollen gepflegt zu unterhalten.

Als zufälliger Leser schrappt man immer am Eindruck einer Sekte entlang, aber vermutlich ist es doch nur das Projekt wohlmeinender Menschen, die Welt zu einem besseren Ort zu machen und sich dabei in bester Gesellschaft zu wähnen.

So gibt es Texte wie: Soll man an sich selbst oder an der Welt arbeiten; Man lernt nur durch Wiederholung; Warum zerstört die Menschheit sich  - und unter der Rubrik "Reisen" einen Aufsatz über die besonderen Sprachschöpfungen der Deutschen. Die können nämlich - Deutschlehrer wissen das schon länger, durch die Verbindung zweier Substanive interessante Zustände in einem Wort beschreiben, wie z.B. "Erklärungsnot, Futterneid, Fremdschämen, Ruinenlust (ein Wort, das mir zum ersten Mal unterkommt) - und natürlich immer gern genommen: Weltschmerz, Schadenfreude und Fernweh.

Naturgemäß überraschen uns hier diese Worte nicht so sehr, umso verblüffender sind allerdings die englischen Erklärungen - z.B. dass so ein Wort wie lebensmüde sehr nützlich an trübsinnigen Tagen sei, wo einem nichts gelingen will - oder dass ein Treppenwitz einer ist, der einem leider erst einfällt, wenn man sich schon auf der Treppe nachhause befindet. Doof für die im Paterre - leider treppenwitzfrei.

Aber auch wenn der Treppenwitz ursprünglich mal als solcher gemeint gewesen und übrigens aus dem Französischen übernommen wurde - heute benutzt man das Wort eher selten und dann nicht gleich für eine Geschichtsklitterung, aber doch für eine umfabulierte Geschichte - eine Art "urban legend", was ja auch ein hübscher Ausdruck ist.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.