Tastenfeld eines Smartphones (Bild: colourbox.com)

- Geräuschverseuchung

Silvester ist vorbei und damit auch das Geknalle. Eigentlich freut das Kolumnist Thomas Hollmann, dass es jetzt wieder leiser zugeht. Wären da nicht immer noch diese elektronischen Alarmsignale ...

Ein China-Böller ist mir lieber. Da weiß ich, wenn die Zündschnur abgebrannt ist, macht es "bum". Da kann ich mich drauf einstellen. Anders als bei meiner Geschirrspülmaschine, die nie verrät, wann sie durchgelaufen ist und zu ihrem infernalischen "Räum'-mich-gefälligst-aus"-Piepen ansetzt. Da werde ich jedes Mal aufs Neue kalt erwischt.

Wie auch von meinem Telefon, dem es offensichtlich einen besonderen Spaß bereitet, mir immer dann mitzuteilen, dass der Akku einen kritischen Ladezustand erreicht hat, wenn ich gerade eingeschlafen bin. Und wie markerschütternd das Alarmsignal eines Rauchmelders klingt, dessen Batterie gewechselt werden will, weiß nur der, der schon einmal um halb vier nachts auf einer zu kurzen Leiter im Hausflur stand.

Überall und zu allen Unzeiten schrillt es und fiept es und piept es und macht tock-tock und dong-dong. Wobei die eigentlichen Foltergeräusche die leisen sind. T-t-t-t-t-. Tastentöne! T-t-t-t-t-t. Und dann ist wieder Ruhe, und man denkt, jetzt hat der Sitznachbar in der S-Bahn zu Ende gedaddelt. Aber dann geht's weiter. T-t-t-t-t-t-t. Und da fragt man sich, was im Leben dieser Leute falsch gelaufen ist, dass die nachhören müssen, was sie ohnehin schon sehen und ob die tonale Verseuchung den kritischen Wert mittlerweile überschritten hat?

Nicht zuletzt bei einem selbst. Denn macht das Handy "pling", gucken wir umgehend nach, wer uns da was mitgeteilt hat, auch wenn der Fisch dringend aus der Pfanne muss. Ein "pling" duldet keinen  Aufschub. Und das ist absurd, dass wir um unsere Hörigkeit wissen, aber trotzdem glauben, die Lage im Griff zu haben, solange wir nicht unter die Tontastentipper gehen. T-t-t-t-t-t-t-t.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.