Ein Weihnachtsmann sitzt in einem Bahnhof. (Bild: imago/ Peters)

- Weihnachten im Zug

Weihnachten ist vorbei – und für viele damit auch der Reisestress. Ein Glück sagt Thomas Hollmann. Unser Kolumnist hat erlebt, wie anstrengend der feiertägliche Verwandtschaftsbesuch werden kann.

Bei mir ging’s nur einmal hin und her. Die Oma besuchen. Aber auf diesen zwei Zugfahrten habe ich mehr über den familiären Zustand und die mobile Belastung unserer Gesellschaft gelernt, als ich das mit einem ausgedehnten Soziologie-Studium hätte schaffen können.

So erfuhr ich aus lautstark geführten Telefonaten, dass nicht nur die Eltern getrennt sind, sondern auch die Großeltern. Weshalb der Vater mit der Tochter erst nach Stuttgart und dann weiter nach Mannheim düsen musste, ehe es zurück nach Berlin ging, während sie, die Mutter und Ex, zuhause ins Telefon heulte.

Warum weiß ich nicht. Denn der väterliche Weihnachtspendler drückte seine Ex irgendwann weg. Woraufhin es die heulende Mutter auf dem Smartphone der Tochter versuchte, die aber gerade im Bordbistro ein Twix kaufen war, weshalb der Großraumwagen mit einem sirenenhaften Klingelton beschallt wurde. Der Vater traute sich offensichtlich nicht, seine Frau von früher auch auf dem Tochter-Handy wegzudrücken.

So schrillten wir durch die Rhön. Bis in Göttingen Vater, Mutter und zwei Kinder einstiegen. Dabei hatten sie drei Rollkoffer, eine Ritterburg und ein Schaukelpferd. Nun versuchen Sie mal, ein Schaukelpferd in die Gepäckablage zu stopfen. Das klappt natürlich nicht. Weshalb der Wackelgaul quer im Gang vor sich hin galoppierte, und Klein-Maximilian daneben die Burg aufbaute. So entstand bei Tempo 220 ein interessanter Hindernisparcours.

Wie die Burg zum Einsturz kam und ob der Tritt von Schwester Elsa mutwillig ausgeführt wurde oder sie von der aus dem Bistrowagen zurück gekehrten Twix-Tochter gestoßen wurde, ließ sich von den Erziehungsberechtigten nicht mehr heraus finden. Denn kurz vor Wolfsburg klingelte das Telefon; die Heulmutter war dran.

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Mops vor dem Berliner Dom (Bild: imago)

Hundert Sekunden Leben

Renée Zucker und Thomas Hollmann filtern mit wachen Sinnen hundert Sekunden aus dem Leben und stellen sie uns vor: Prägnant, verspielt und auf den Punkt.