v.l.n.r. Dmitrij Kapitelman , Sara Nachama, Harald Asel, Klaus Wowereit und Juna Grossmann (Bild: Inforadio/Begzada Kilian)

- Was heißt Jüdisches Leben in Berlin im 21. Jahrhundert?

Neue Sichtbarkeit, aber alte Vorbehalte? Welche Möglichkeiten, welche Widerstände gibt es im  gelebten jüdischen Alltag heute in einer Stadt, die sich "Diversity" auf ihre Fahnen geschrieben hat. Und welche Geschichten lohnen es, der gesamten Stadtgesellschaft erzählt zu werden? Die Diskussion fand im Rahmen der Jüdischen Kulturtage in der Villa des Malers Max Liebermann am Wannsee statt.  

Die Vielfalt jüdischer Kultur in der Hauptstadt ist seit einigen Jahren kaum mehr zu überschauen: ob religiöse Debatten oder historische Gedenkorte, die wissenschaftliche Erforschung internationaler Politik oder publizistische Studien zum Alltag, ob neue Restaurants oder bereits traditionelle Musik- und Tanzveranstaltungen. All das zeugt von einer lebendigen, auch streitbaren Szene, in der jüdische Erfahrungen, Bräuche und Sichtweisen gelebt werden. Das Interesse daran ist in der gesamten Stadtgesellschaft groß, wenn auch mitunter Schwankungen unterworfen. Doch ist die neue Sichtbarkeit nicht ungetrübt: Unachtsamkeit, Vorbehalte, gezielte antisemitische Äußerungen und nicht zuletzt die Drohung mit realer Gewalt gehören ebenso zur Berliner Realität.

Was heißt das eigentlich für die hier lebende jüdische Community, für Alteingesessene, Zuwanderer der 90er und die temporär oder dauerhaft zugezogenen jungen Israelis? Wie erleben sie die Stadt? Was verändert sich? Wo treffen sie auf positiv oder negativ besetzte Klischees ihrer Umwelt? Wie werden sie wahrgenommen und als was verstehen sie sich selbst? Wie stark spielen Traditionen in ihrem Selbstverständnis eine Rolle, wo entscheiden sie sich bewusst für etwas Neues?

Berlin erhebt ja den Anspruch, eine multinationale und multikulturelle Stadt zu sein. Welche Impulse gibt es vielleicht nur hier? Und was muss getan werden, um dem Ziel einer gelebten "Diversity" auf Dauer gerecht zu werden?

Podiumsgäste:
Juna Grossmann
Museumsmitarbeiterin, Blog "irgendwiejüdisch"
Dmitrij Kapitelman

Journalist und Schriftsteller, Autor von "Das Lächeln meines unsichtbaren Vaters"
Sara Nachama

Vizepräsidentin und Rektorin des Touro College Berlin, stellv. Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde zu Berlin
Klaus Wowereit

ehemaliger Regierender Bürgermeister Berlin

Moderation: Harald Asel, Inforadio (rbb)

Aufzeichnung einer öffentlichen Veranstaltung der Jüdischen Kulturtage in Zusammenarbeit mit Inforadio (rbb) vom 08.11.2016.

Mehr Infos im www

29. Jüdische Kulturtage 2016

Sendung

Podium v.l.n.r. Christian Alexander Scholber, Iris Pigeot, Harald Asel, Gert G. Wagner (Bild: Inforadio/Kilian)

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