Sa, 31.07.2010 | 09:55 Uhr
Die gesellschaftlichen Erwartungen an unsere Hochschulen sind gewachsen. Sie sollen Grundlagen für ökonomische Dynamik legen, soziale Inklusion durch Zugänge zum Arbeitsmarkt sicherstellen, Orte der kritischen Reflexion bieten und Antworten auf drängenden Zukunftsfragen finden. Zum Teil sind es widersprüchliche Anforderungen, denen die Hochschulen heute genügen müssen.
Beim Umgang mit diesen Herausforderungen hat der FAZ-Redakteur Jürgen Kaube der Wissenschaftspolitik jüngst ein schlechtes Zeugnis ausgestellt. Sie sei auf bestem Wege, die Universitäten wissenschaftsfremden Interessen auszuliefern und durch eine Fixierung auf Rankings und Kennzahlen zugrunde zu richten.
Insbesondere die Exzellenzinitiative, deren nächste Runde bevorsteht, führt laut Kaube nicht zu besserer Wissenschaft, sondern verwandle die Universitäten in Behörden, deren Hauptaufgabe im Antragschreiben bestehe. Vor allem beim Zielkonflikt exzellent forschen und gleichzeitig sich für mehr Studierende öffnen zu sollen, würden die Hochschulen alleine gelassen.
Die Thesen aus Jürgen Kaubes Buchs "Die Illusion der Exzellenz“ stellt die Veranstaltung zur Diskussion.
Welche Wirkung hat die Exzellenzinitiative auf die Universitäten? In welche Richtung soll der Wettbewerb weiterentwickelt werden? Lassen sich die verschiedenen Anforderungen an die Universitäten unter einen Hut bringen? Ist eine Ausdifferenzierung des Hochschulsystems notwendig? Nach welchen Kriterien kann sie erfolgen? Brauchen wir Eliteinstitutionen oder Qualität in der Breite? Welche Hochschulleitbilder gibt es neben dem der Forschungsexzellenz?
Podiumsgäste:
Jürgen Kaube
Redakteur für Wissenschafts- und Bildungspolitik und Ressortleiter „Geisteswissenschaften“ bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung sowie Herausgeber des gerade erschienenen Buches „Die Illusion der Exzellenz. Lebenslügen der Wissenschaftspolitik“
Prof. Dr. Barbara Kehm
Geschäftsführende Direktorin des Internationalen Zentrums für Hochschulforschung an der Universität Kassel, Vorsitzende der Gesellschaft für Hochschulforschung und Executive Secretary des Weltverbandes der Hochschulforscher
Prof. Dr. Detlef Müller-Böling
Langjähriger Leiter des Centrums für Hochschulentwicklung CHE (von 1994 bis 2008) und heute Hauptgesellschafter der CHE Consult GmbH
Carsten Hoffmann
Mitglied der Grünen Hochschulgruppe an der FU Berlin
Moderation: Harald Asel
Aufzeichnung einer öffentlichen Veranstaltung vom 7.12.2009 in Zusammenarbeit mit der der Heinrich-Böll-Stiftung