So, 19.05.2013 | 10:43 Uhr
Görlitz, die Stadt in der niederschlesischen Oberlausitz, ist seit Kriegsende geteilt: Im Osten, jenseits der Neiße, liegt das polnische Zgorzelec, im Westen das deutsche Görlitz.
Doch die östlichste Stadt Deutschlands hat ein Problem: Immer mehr Menschen wandern ab. Dabei braucht die schrumpfende Stadt neue Bürger mit Sinn für den Erhalt alter Bausubstanz. Denn das im Krieg unzerstörte Görlitz bietet seinen Besuchern und Einwohnern 500 Jahre Architekturgeschichte: von den Renaissancebauten des 15. Jahrhunderts bis zur sozialistischen Platte, barocke Häuser der Tuchmacher und 100-jährige Jugendstilvillen preußischer Pensionäre.
Letztere gaben der Stadt ihr Gepräge und ihren Beinamen: Pensionopolis. Denn vor über 100 Jahren war Görlitz das Ziel preußischer Beamter, die in der Stadt ihren Altersruhesitz nahmen. Und seit einigen Jahren kommen wieder Senioren aus der ganzen Republik um ihren Lebensabend dort zu verbringen. Die Stadt wirbt mit einem attraktiven Ambiente und niedrigen Wohn- und Lebenshaltungskosten - und hat damit Erfolg:
Gegen den üblichen Abwanderungstrend hat Görlitz auch Zuzug erreicht. Nun leben hier immer mehr Ältere, was das Zusammenleben und die städtischen Angebote verändert hat, wie Thomas Prinzler berichtet.
Trend:
Görlitz ist eine planvoll gealterte Stadt.
Die Frage ist: Kann Görlitz anderen Städten und Regionen als Vorbild dienen?
Pro:
- Spezielle städtische Angebote wie ein interessantes Kulturangebot und die alten- und behindertengerechte Ausstattung des öffentlichen Raums machen die Stadt für Senioren attraktiv.
- Der Wohnungsmarkt hat sich besonders auf den Zuzug älterer Menschen eingestellt und bietet günstige und sanierte Wohnungen, Betreute Servicewohnungen und behindertengerechte Wohnanlagen. Zudem gibt es Angebote zum „Probewohnen“.
- Der Zuzug älterer Menschen bringt für die Stadt neue Wirtschaftskraft und schafft auch für jüngere Menschen Arbeitsplätze.
Contra:
- Die Alten kommen – die Jungen gehen: Es ist schwer, mit einer altersgerechten Stadt zu werben und gleichzeitig die Bedürfnisse junger Menschen und Familien zu berücksichtigen.
- Ob das Konzept der Stadt, auf die Chancen des Zuzugs Älterer zu setzen, aufgeht und langfristige Wirkung zeigt, ist heute noch nicht abzusehen.
- In einer langfristigen Perspektive sind Städte und Regionen, die sowohl älteren als auch jungen Menschen Wohn- und Lebensraum bieten, noch attraktiver als ein Stadtkonzept, das lediglich auf eine Kohorte zugeschnitten ist.