Szene aus "FIFA 18"
EA Sports
Bild: EA Sports

- "FIFA18": Ein Spiel wie ein mühsamer Arbeitssieg

Wer Ende vergangener  Woche in einem großen Elektronikmarkt war, konnte beobachten, dass fast jeder Zweite in der Schlange ein Videospiel in den Händen gehalten hat, von dem einem Cristiano Ronaldo entgegenjubelte. Der ist nämlich auf dem Cover von "FIFA18" zu sehen. Ob die aktuelle Fußballsimulation ihr Geld wert ist, weiß Inforadio-Spieleexperte Christoph Parker.

Das nennt man dann wohl den Fluch der guten Tat: Hat man einmal eine wirklich neue Idee gehabt, erwartet das jeder beim nächsten Mal gleich wieder. Und da kann man ja dann nur verlieren. Im vergangenen Jahr hatte FIFA eben genau diese eine neue Idee: Den Story-Modus "The Journey", bei dem man den jungen Straßenfußballer Alex Hunter auf seinem Weg zum Jungprofi begleiten konnte. Wer dieses Jahr wieder auf eine solche Mini-Revolution gehofft hatte, der wird enttäuscht. Aber immerhin wird "The Journey" fortgesetzt. Alex erlebt alle Höhen und Tiefen des Fußballer-Lebens und trifft auch wieder eine Menge großer Stars, die sich hier selber sprechen, wie beispielsweise Thomas Müller, Antoine Griezmann oder Cristiano Ronaldo - der allerdings in der Sprecherkabine nicht ganz die gleiche Eleganz zeigt wie auf dem Platz. Und dass die Stars auch in der deutschen Variante nicht synchronisiert sind und englisch plappern, während alle anderen sauberes Deutsch sprechen, wirkt ein wenig befremdlich - aber was soll's.

Auch außerhalb von "The Journey" hat FIFA18 eine Menge zu bieten: Unzählige Spielmodi für Online und Offline stehen zur Verfügung. Die meisten davon sind altvertraut, lediglich einige kleinere technische Neuerungen gibt es. Bei keiner davon hat man das Gefühl, sie jetzt so ganz dringend gebraucht zu haben. Aber es wurde immerhin auch nichts verschlimmbessert, was nicht das erste Mal der Fall gewesen wäre.

Mehr Tore müssen her!

Was auffällt: Augenscheinlich wollten die Produzenten mehr Tore sehen. Denn egal ob durch Fernschüsse, Dribblings oder Kombinationen – Tore schießen fällt deutlich leichter als im Vorjahr. Das erhöht zwar das Tempo und den Spielspaß, nimmt der Simulation aber eine Menge Taktik und eben jenen Simulationscharakter. Außerdem sorgt das für gewaltig Frust bei der verteidigenden Mannschaft, wenn manche Spieler einfach so schnell sind, dass es quasi keine Chance gibt, sie zu stellen.

Deutsche Gamer haben neuerdings neben der ersten und der zweiten Bundesliga auch die 3. Liga zur Verfügung. Jetzt können also auch Fans der SG Sonnenhof Großaspach oder der Sportfreunde Lotte mit ihren Lieblingsteams spielen. Endlich.

Szene aus "FIFA18"
Alex Hunter, der Star des Story-Modus' "The Journey"

Die Kommentatoren – in der deutschen Variante sind das Wolf Fuß und Frank Buschmann – haben einen hohen Wiedererkennungswert und machen ihren Job sehr ordentlich. Die peinlichen Floskeln und teilweise hanebüchenen Übersetzungen englischer Redewendungen halten sich im Vergleich zu früheren Jahren in engen Grenzen.

Tolle Atmosphäre, fragwürdige Jubel-Inszenierungen

Die Darstellung der Stadien ist hingegen herausragend, sehr detailverliebt und atmosphärisch. Aber noch immer ist die Inszenierung des Spiels in manchen Momenten vollkommen widersinnig. Es kann doch beispielsweise nicht so schwer sein, die Intensität eines animierten Torjubels ein klein wenig an den aktuellen Spielstand anzupassen. Aber nein, wir bekommen immer noch Animationen von jubeltrunkenen Spielertrauben vorgesetzt, so dass man meint, die hätten sich gerade den Weltmeistertitel gesichert - wenn sie in Wirklichkeit lediglich den Ehrentreffer zum 1:5 erzielt haben. Okay, könnte Ironie sein. Glaube ich aber nicht.

Unterm Strich macht FIFA 18 aber wieder nicht viel falsch, weil es auch kein allzu großes Risiko eingeht. Oder um in der Fußballsprache zu bleiben: Es fühlt sich an wie ein glanzloser Arbeitssieg. Ob das die jährliche Ausgabe von 60 Euro rechtfertigt, muss in diesem Fall tatsächlich jeder selbst entscheiden.

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