Mi, 08.09.2010 | 16:26 Uhr
Deutschland hat verloren - und wer ist schuld daran? Wir Frauen, wer sonst. Frau Merkel und ich. Sie, weil sie nicht im Stadion saß. Wie soll ihr Liebling Schweini sein Bestes geben, ohne die fühlbare Nähe seiner Muse? Also, selber schuld, Frau Kanzlerin, und so ein Pech! Was hätte das Volk noch an Kürzungen und Sparmaßnahmen verkraften können, wenn Deutschland Weltmeister geworden wäre.
Aber ich bin auch schuld. Lahm und Co waren nur so lahm gegen Spanien, weil ich sie mit vollem Herzen, Kopf und Bauch unterstützt habe. Ich, die geborene Verliererin. Mannschaften, die ich anfeuere, verlieren immer, meine Heimatmannschaft Bosnien regelmäßig. Mein Sohn macht schon Witze: "Mama, für wen bist Du?" Dann weiß er nämlich, dass er auf das andere Team setzen muss und Geld verdienen kann...
Seit 15 Jahren habe ich jetzt den deutschen Pass, aber diesmal, diesmal habe ich mich in der Euphorie um Jogis Schönheit in seinem blauen Pulli und dem schönen Spiel seiner Jungs zum ersten Mal richtig als Deutsche gefühlt. Jung und schön und ein bisschen blau. Neee, das konnte nicht gut gehen. Dazu bin ich viel zu abergläubisch. Ich weiß, dass ich immer skeptisch bleiben muss, nie behaupten sollte, dass jemand ganz sicher siegt. Diesmal aber hat mich auch mein Bauch verraten. "Wer sind diese Spanier?", meinte ich zuversichtlich und vielleicht auch ein bisschen hochmütig. Nach England und Argentinien werden "unsere Jungs" auch die Spanier fertig machen.
Jetzt aber bin ich fix und fertig. Die deutsche Hymne, die ich für das Finale auswendig gelernt habe, kann ich wieder vergessen. Na, macht nichts. Wir inländischen Ausländer müssen sie sowieso nicht singen können. Podolski, Özil, Khedira können es auch nicht. Und besser so. Sonst würde sie vermutlich so klingen, als spielte man sie auf der Vuvuzela.