So, 19.05.2013 | 08:26 Uhr
Wenn Bundespräsident Joachim Gauck heute Vormittag in Schloss Bellevue Menschen mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnet, ist darunter ein Mann, den wohl fast jeder kennt: Kostas Papanastasiou - das ist der Grieche aus der "Lindenstraße". In der ARD-Dauerserie spielte Papanastasiou das, was er im wahren Leben auch ist: Wirt eines griechischen Lokals. Seit 40 Jahren betreibt er das "Terzo Mondo" in der Grolmanstraße in Berlin-Charlottenburg. Anneliese Bergemann hat ihn dort getroffen.
Wenn Bundespräsident Joachim Gauck heute Vormittag in Schloss Bellevue Menschen mit dem Bundesverdienstkreuz auszeichnet, ist darunter ein Mann, den wohl fast jeder kennt: Kostas Papanastasiou. Vielleicht fragen Sie jetzt - Kostas wer? Aber wenn ich Ihnen sage, das ist der Grieche aus der Lindenstraße, haben Sie wahrscheinlich gleich ein Bild vor Augen. In der ARD-Dauerserie spielte Kostas Papanastasiou das, was er im wahren Leben auch ist: Wirt eines griechischen Lokals. Seit 40 Jahren betreibt er das "Terzo Mondo" in der Grolmanstraße in Berlin-Charlottenburg. Anneliese Bergemann hat ihn dort getroffen.
Kostas Papanastasiou sieht aus wie in der "Lindenstraße" - nur etwas älter geworden ist er, kräftiger, Haare und Bart sind fast weiß. Viele Gäste kommen extra seinetwegen her:
"Zufällig bin ich einer der bekanntesten Griechen auch bei den Griechen in Deutschland."
Seit 56 Jahren lebt er in Berlin. Und fast genauso lange setzt er sich für Menschen ein, die Hilfe brauchen. Anfang der 60er Jahre waren es die griechischen Gastarbeiter:
"Da war ich morgens schon um fünf oder sechs in den Fabriken und bis abends um elf in den Heimen, weil diese Griechen, die kamen, und die Griechinnen, die kannten gar kein Deutsch."
Er half ihnen bei der Wohnungssuche und auf Ämtern. Während der Militärdiktatur in Griechenland von 1967 bis 1974 kamen dann politisch Verfolgte, er organisierte von Deutschland aus den Widerstand mit. Nach dem Zerfall der Sowjetunion sammelte er jahrelang Spenden und Hilfsgüter für Georgien, begleitete die Transporte. Und jetzt ist er wieder gefordert. Wegen der Krise in ihrer Heimat kommen immer mehr Griechen nach Deutschland, vor allem junge. Das "Terzo Mondo" ist für viele die erste Anlaufstation in Berlin. Manchmal geht es um ganz Elementares:
"Bei mir kommt kein Mensch, wenn er reinkommt hungrig wieder raus, wenn er sagt, er hat zwei Tage nichts gegessen. Da kriegt er von mir ein richtiges Essen."
So manchen beschäftigt der 75-Jährige hier in seinem Lokal, auch ungelernt, oder vermittelt ihm einen Job. - Er nimmt großen Anteil an der Situation in Griechenland. Als er von Selbstmorden erzählt, die Menschen aus Verzweiflung über ihre nicht selbst verschuldete Lage begehen, treten ihm Tränen in die Augen, seine Stimme bricht.
Kostas Papanastasiou blickt sorgenvoll, wenn er an daran denkt, wie Deutsche und Griechen mitunter übereinander reden. Wenig Verständnis hat er, wenn sich jemand über die Finanzhilfen für Griechenland empört:
"Jeder spricht über diese 200 Milliarden, und die ganze Welt ist verschuldet und vergeudet Billionen!"
Kostas Papanastasiou will sich um die Menschen kümmern, die von der Krise am ärgsten betroffen sind. Deswegen hat er jetzt ein neues Projekt begonnen: ein deutsch-griechisches Netzwerk, das "Berliner Forum Griechenlandhilfe". Ihm geht es vor allem darum, dass Bedürftige in Griechenland Essen und Medikamente erhalten.