Harry Croner: Berlin in Großbuchstaben auf dem Messegelände, 1937 - © Stadtmuseum Berlin
Bild: © Stadtmuseum Berlin

Ausstellung im Märkischen Museum - Berlin 1937 - Im Schatten von morgen

Wie lebte es sich in der Hauptstadt - ein Jahr nach den Olympischen Spielen und ein Jahr vor den Novemberpogromen? Vom 4. Mai 2017 bis zum 14. Januar 2018 zeigt das Märkische Museum "Berlin 1937 - Im Schatten von morgen". Inforadio präsentiert die Ausstellung.

Im neu gestalteten Untergeschoss des Märkischen Museums läuft momentan eine Ausstellung, die sich mit der Zeit in Berlin vor dem Ausbruch des 2. Weltkrieges und vor dem Holocaust auseinandersetzt.

Vier Jahre nach der "Machtübernahme" durch die Nazis zeigte sich die Reichshauptstadt wenig verändert. Die kaiserzeitliche Baukultur dominierte nach wie vor die Straßenzüge.

Sichtbar wurde die NSDAP vor allem durch zahlreiche Uniformierte ihrer Massenorganisationen. An Festtagen und bei Staatsbesuchen wurde Berlin mit Partei- und Hoheitssymbolen aufwendig dekoriert. Außerdem war die Straße kein "Öffentlicher Raum" mehr: Auf den Bürgersteigen hatte sich die Anzahl der Uniformträger vervielfacht, an Litaßsäulen waren keine kritischen Plakate mehr zu finden und aus den Zeitungskiosken die publizistische Meinungsvielfalt verschwunden.

Wer genau hinsah, konnte die Veränderungen erkennen

Die konkreten Auswirkungen auf die Gesellschaft zeigten sich meist erst auf den zweiten Blick. Das oberflächliche Bild einer großstädtischen Alltagsnormailität war durchzogen von deutlich erkennbaren Spuren der Gleichschaltung, Indoktrination und Rassenideologie. So ließ das Gartenbauamt Prenzlauer Berg 92 der 100 Parkbänke mit der Aufschrift "Für Juden verboten" kennzeichnen. Andere sollten folgen...

Lebensbereiche

In den ersten vier Jahren der NS-Diktatur hatte die Berliner Schulveraltung bereits politisch und "rassisch" missliebiges Lehrpersonalt entlassen und neue Lehrpläne entwickelt: "Rassenkunde" wurde ein Unterrichtsfach, und Schülerinnen und Schüler in den Abschlussklassen sollten Ahnentafeln ihrer eigenen Familie aufstellen. Der Hitlergruß wurde als Ritual eingeführt.
Jüdischen Kindern war der Besuch öffentlicher Schulen nur noch eingeschränkt erlaubt. Viele Eltern sahen sich gezwungen, ihre Mädchen und Jungen auf jüdischen Schulen anzumelden.

Der massive Zuzug nationalsozialistischer Dienststellen und die Etablierung neuer Behörden machten Berlin zur größten Verwaltungsstadt Deutschlands. Firmen, deren Zentralen sich bisher andernorts befanden, bauten ihre Niederlassungen in der Hauptstadt aus. Bis 1939 waren in Berlin rund 50 Prozent der Beschäftigten in der Dienstleistungsbranche tätig, fast doppelt so viele wie im Landesdurchschnitt.

Die Entwicklungen der Außenwelt waren auch im eigenen Zuhause spürbar. Wegen der Kriegsvorbereitungen bleiben die Öhne niedrig, die Preise für Lebensmittel aber hoch. Viele träumten vom materiellen Aufstieg, erlebten ihn aber nicht.

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