Mo, 20.05.2013 | 02:01 Uhr
Hohe Mieten sind längst nicht mehr nur eine Last für Leute mit niedrigem Einkommen: Auch in den traditionellen Mittelstands-Kiezen wie zum Beispiel Schöneberg ist es gegenwärtig schwer, eine passende und bezahlbare Wohnung zu finden.
Häufige Mieterwechsel lohnend für Eigentümer
Ein Altbau in Schöneberg, nähe Kleistpark, 3. Obergeschoss. Drei Zimmer, Küche, Bad. Wohnungen wie diese seien derzeit besonders leicht zu vermieten, sagt der Makler Kai Seidel: "Das ist so die gefragte Wohnungsgroße für Familien, zwei Erwachsene, ein Kind, zwei Kinder. (...) Da gibt es eine sehr große Nachfrage. Das Angebot an solchen Wohnungen ist auch relativ groß - aber man muss schauen, was es preislich ausmacht.
Denn: Diese Wohnung ist über Nacht deutlich teurer geworden. Wer hier einziehen will, zahlt pro Quadratmeter einen Euro mehr, als die Familie davor. Eine übliche Praxis, sagt der Makler - und für den Eigentümer eine lohnende dazu. So lässt sich vor allem dort ein gutes Geschäft machen, wo besonders oft umgezogen wird - wie eigentlich überall innerhalb des Berliner S-Bahn-Rings.
Es ist so, dass die Fluktuation bei circa 15 Prozent lag, in einzelnen Gegenden - nur weil man eben gerne umgezogen ist. Also es nicht so, dass es am Zuzug lag, dass permanent Leute von Außerhalb zugezogen sind, sondern dass die Leute eben wirklich so eine Art "Quartier-Hopping" gemacht haben.
Mieterhöhungen staatlich reglementieren?
Durch den Aufschlag bei jedem Mieterwechsel sind die Mieten so in kurzer Zeit schnell angestiegen. So schnell, dass sich Umziehen heute oft selbst dann nicht mehr lohnt, wenn es eigentlich nötig wäre, sagt Reiner Wild, der Geschäftsführer beim Berliner Mieterverein.
Wer sich also verändern will, oder muss, zum Beispiel wegen einer Haushaltsveränderung, der hat dann Schwierigkeiten, wenn er nicht über ein sehr gutes Einkommen verfügt, weil er in einer neuen Wohnung in der Regel deutlich mehr aufwenden muss für dieselbe Fläche, als wenn er in seiner Wohnung bleiben würde.
Der Berliner Mieterverein kämpft daher für eine gesetzliche Neuregelung: Höchstens 15 Prozent soll der Eigentümer vom neuen Mieter mehr verlangen dürfen, um zum Beispiel die Kosten für die Renovierung oder den Makler zu decken. Die Wohnung in Schöneberg müsste dann billiger vermietet werden - der Makler hält das für keine gute Idee.
Immerhin in diesem Punkt sind sich Makler und Mieterverein einig: Dem aktuellen Hoch werde bald wieder eine Entspannung folgen, so lautet auch die Prognose vom Reiner Wild: "Eigentümer, die 15 Euro und mehr pro Quadratmeter im Monat von den Wohnungssuchenden haben wollen, werden sicher in zwei bis drei Jahren Schwierigkeiten bekommen, solche Haushalte noch zu finden, die bereit sind, so etwas zu zahlen. (...)"
Von mittelfristig sinkenden Preisen wird der nächste Mieter der Altbauwohnung in Schöneberg nicht mehr profitieren. Denn der Vertrag für diese Wohnung, so der Makler, ist bereits unterschrieben.
Samuel Jackisch