So, 19.05.2013 | 19:45 Uhr
Die Natur gilt seit jeher als wichtiger Faktor im Schaffen eines Künstlers. Sie regt ihn an, gibt ihm Ruhe und Inspiration. Viele Künstler zieht es deshalb gerade in den Sommer-Monaten aufs Land, andere leben und arbeiten dort schon seit Jahren. In der Sommerserie "Landleben" wollen wir Künstler vorstellen, die in Brandenburg leben.
Der erste ist der Maler Harald Metzkes. Seit mehr als zwanzig Jahren lebt er in Wegendorf bei Altlandsberg. Der DDR-Künstler, der lange Zeit der "Cezannist vom Prenzlauer Berg" genannt wurde, ist inzwischen 83 Jahre alt. Bei der Verleihung des Brandenburgischen Kunstpreises erhielt er am Sonntag den Ehrenpreis für sein Lebenswerk. Raphael Jung hat den Maler für uns besucht.
Wenn Harald Metzkes eine Pause machen will, braucht er nur wenige Schritte von der Staffelei bis in den Garten. Sein Atelier in Wegendorf bei Altlandsberg ist eine umgebaute Scheune - und nur eine Glastür trennt ihn von einem blühenden, gepflegten Garten:
Der Bauer mit seiner Gerste oder was er da hat, lässt den Rand immer ein bisschen bunt. Ist als Blickfang ganz schön.
Doch so idyllisch, ländlich und abgeschieden hat Metzkes nicht immer gelebt. Jahrelang war der gebürtige Bautzener, der nach dem Krieg zunächst in Dresden studierte und dann Meisterschüler bei Otto Nagel an der Ost-Berliner Akademie der Künstler wurde, im Prenzlauer Berg zuhause. 1960 erhielt er vom Magistrat eine Wohnung am Kollwitzplatz. Metzkes:
Es war an sich ein Atelier mit einer Küche. Ich kam hin und der Bau-Architekt sagt zu mir: Was, sie haben drei Kinder und eine Frau? Dann nehmen wir doch die andere Wohnung dazu! Da machen wir hier die Wand weg, und hier machen wir noch ne Mauer hin, wenn sie ein Model haben, muss das ja die Familie nicht wissen, muss also ein bisschen abgeschirmt werden, und die muss auch aufs Klo, das Model - das ist dann eben durchgezogen worden.
Mehr als dreißig Jahre lebten Metzkes im Prenzlauer Berg. Die Wohnung war nicht nur Lebens- und Arbeitsmittelpunkt - sie war auch ein Treffpunkt für andere bildende Künstlerfreunde wie Manfred Böttcher oder Wilhelm Lachnitz. Doch ohne die Natur ging es auch damals nicht:
Und da die Kinder nun aufwuchsen und sollten nicht nur in der Stadt rumlaufen, haben wir uns einen Garten gepachtet. Dort hab ich eben sehr viel draußen gemalt und gelandschaftet und die Kinder portraitiert und natürlich meine Frau und mich selber.
Einige Jahre später durfte Metzkes das Bühnenbild für eine Moliere-Inszenierung an der Volksbühne entwerfen - und erfüllte sich dank dieses Auftrags einen schon lange gehegten Traum:
Da hab ich für die Volksbühne ein Bühnenbild gemacht für Benno Besson, und das war ja eine Begegnung ersten Ranges. Und davon, weil das so schön geworden war, hat mich der Besson fürstlich honoriert - und da konnten wir einen Garten kaufen.
Das Pendeln zwischen der Inspiration und den Freunden in der Stadt und der Inspiration dauerte einige Jahre. Dann kam die Wende und mit ihr viele Veränderungen. Neugierige Touristen strömten in Scharen auf den Prenzlauer Berg und große Reisebusse quetschten sich durch seine Straßen. Metzkes:
Dann wurde das komischerweise als etwas Interessantes angesehen und es fuhren immer so Busse, so mit Leuten die sich … so dass meine Frau schon gar nicht mehr gern einkaufen ging, weil die dann auch als Ureinwohnerin bestaunt wurden.
Zuviel Trubel für Harald Metzkes. Er suchte Abstand und Konzentration - und floh mit seiner Familie aufs Land:
Durch meinen Schwiegersohn hatten wir die Möglichkeit aufs Land zu ziehen und sind dann mit fliegenden Fahnen nach Brandenburg gegangen.
Seit mehr als 20 Jahren lebt der aus Sachsen stammende Maler Harald Metzkes inzwischen in Brandenburg. Am Sonntag wurde er von Ministerpräsident Matthias Platzeck für sein Lebenswerk geehrt.