So, 19.05.2013 | 17:54 Uhr
Die Terrorzelle des Nationalsozialistischen Untergrunds (NSU) hielt sich streng abgeschirmt - aber ohne Unterstützung von außen hätte sich das Trio wohl kaum mehr als 13 Jahre in der Illegalität halten können. Ein Überblick über die "Zwickauer Zelle" und ihr Umfeld:
Beate Zschäpe: Die heute 37-Jährige tauchte 1998 gemeinsam mit Uwe Mundlos und Uwe Böhnhardt unter, um der drohenden Festnahme zu entgehen. Die drei Neonazis aus dem thüringischen Jena gründeten eine Terrorgruppe und nannten sich spätestens ab 2001 Nationalsozialistischer Untergrund (NSU). Zeugen beschreiben Zschäpe als gleichberechtigtes Mitglied; sie soll das Geld verwaltet haben. Nach dem Tod ihrer Kumpane am 4. November 2011 setzte sie die gemeinsame Wohnung im sächsischen Zwickau in Brand und verschickte die Bekennervideos mit dem «Paulchen Panther»-Motiv. Am 8. November stellte sie sich der Polizei in Jena. Seitdem sitzt sie in Untersuchungshaft und schweigt.
Ralf Wohlleben: Der ehemalige Thüringer NPD-Funktionär mit Kontakten zur militanten Kameradschaftsszene soll Waffen für das Trio organisiert haben. Der heute 37-Jährige wurde am 29. November 2011 verhaftet und sitzt in Untersuchungshaft. Nach Ansicht der Ermittler wusste er von den Verbrechen.
André E.: Der gelernte Maurer war seit dem Untertauchen 1998 einer der wichtigsten Vertrauten des Trios und soll die drei zusammen mit seiner Frau regelmäßig besucht haben. Die Ermittler hielten ihn zunächst für den Ersteller des «Paulchen Panther»-Videos. Als Zweifel daran aufkamen, ordnete der Bundesgerichtshof im Juni seine Freilassung an. Es sei nicht klar, ob er von den Terrortaten wusste.
Susan E.: Die Frau von André E. soll ihre Personalien für Zschäpe zur Verfügung gestellt haben.
Holger G.: Der 38-Jährige gehörte wie Wohlleben und die drei Untergetauchten zur Jenaer Kameradschaft, zog aber 1997 nach Niedersachsen um. Er spendete Geld, transportierte einmal eine Waffe nach Zwickau und traf sich mehrfach mit dem Trio. Er überließ Böhnhardt einen Ersatzführerschein sowie 2001 und 2011 seinen Pass. Von Überfällen und Morden will er nichts gewusst haben. Nach der Verhaftung im Januar 2012 kam er Ende Mai wieder auf freien Fuß.
Carsten S.: Der 32-Jährige hat gestanden, den Untergetauchten eine Pistole mit Schalldämpfer geliefert zu haben. Dabei handelt es sich höchstwahrscheinlich um die Ceska, die bei den Morden verwendet wurde. Er löste sich kurz darauf aus der Szene, lebte ab 2001 in Nordrhein-Westfalen und legte nach seiner Verhaftung im Februar 2012 ein umfangreiches Geständnis ab. Ende Mai kam er auf freien Fuß.
Matthias D.: Der Fernfahrer aus dem sächsischen Erzgebirgskreis unterschrieb die Mietverträge für zwei Wohnungen des Trios. Nach seiner Verhaftung im vergangenen Dezember kam er Ende Mai wieder auf freien Fuß.
Jan W.: Der ehemalige sächsische Chef der Gruppierung «Blood & Honour» ist aktiv im Geschäft mit Neonazi-Musik. Seit 1998 soll er nach Angaben eines V-Manns versucht haben, Waffen zu beschaffen. Er soll persönlichen Kontakt zum Trio gehabt haben.
Thomas S.: Er ist ebenfalls im Neonazi-Musikgeschäft aktiv. Der Chemnitzer aus der Gruppierung "Blood & Honour" war seit Mitte der 90er Jahre ein enger Bekannter der drei. Er beschaffte 1997 Sprengstoff und half beim Unterkommen in Chemnitz. S. will das Trio nach 1998 kaum noch getroffen haben.
Max Florian B.: Er soll 1998 den frisch Untergetauchten als erster ein Quartier gegeben haben. Außerdem war er formell Untermieter ihrer letzten Wohnung in Zwickau. Mit seinem Personalausweis beantragte Mundlos im September 1998 einen Pass.
Mandy S.: Die ehemalige Freundin von Max Florian B. soll Zschäpe ihre Identität geliehen haben.
Pierre J. und Herrmann S.: Sie sind Inhaber und Mitarbeiter eines Video-Verleihs und stehen im Verdacht, Mundlos bei der Beschaffung einer Pumpgun geholfen zu haben.
Tino Brandt: Er zählt nicht zu den Beschuldigten im NSU-Verfahren. Der ehemalige NPD-Funktionär und Kopf des Neonazi-Netzwerks "Thüringer Heimatschutz" lieferte als V-Mann dem Verfassungsschutz Hinweise auf die Untergetauchten, vor allem aus Gesprächen mit Wohlleben. Anders als Verfassungsschützer argwöhnen Mitglieder des Thüringer Untersuchungsausschusses, dass er nur kontrolliert Informationen weitergab.