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Mo, 22.10.2012

Die lange Geschichte eines Mahnmals

Der Völkermord an den europäischen Juden war von so gewaltigem Ausmaß, dass eine weitere Opfergruppe daneben lange fast verschwand: die der Sinti und Roma. Dabei war ihr Schicksal ganz ähnlich. Sie lebten seit Generationen in Deutschland, waren deutsche Staatsbürger - und wurden dennoch von den Nationalsozialisten zu tausenden verfolgt, gequält und in den Konzentrationslagern ermordet.

Doch erst jetzt, 67 Jahre nach Kriegsende, wird im Berliner Tiergarten ein eigenes, nationales Denkmal für die ermordeten Sinti und Roma eingeweiht. Sylvia Tiegs über die Frage, warum dies so lange gedauert hat.

Hindernis Nummer eins war das lange Leugnen der Verbrechen an den Sinti und Roma. Bezeichnend hierfür ist eine Episode, an die sich der Historiker Wolfgang Wippermann erinnert. Wippermann hatte in den 1980er Jahren den Zwangscharakter des sogenannten Zigeuner-Lagers in Berlin-Marzahn wissenschaftlich nachgewiesen. Solche Lager gab es auch in Köln, Frankfurt am Main, Essen oder Wiesbaden. Dorthin deportierte die Polizei ab 1936 Sinti und Roma. Darunter auch Otto Rosenberg, später ein hochrangiger Vertreter der Minderheit. Und Rosenberg klagte, so Wolfgang Wippermann: "Ich verstehe das nicht. Wir Sinti und Roma haben immer gesagt, die Verhältnisse im Zigeunerlager waren ganz schlimm. Niemand hat uns geglaubt. Nun kommt Herr Professor Wippermann undsagt jetzt das Gleiche, und dem glauben sie, aber uns nicht."


Dieses Glaubwürdigkeits-Hindernis war erst 1982 wirklich ausgeräumt - als die damalige Bundesregierung unter Helmut Schmidt den Völkermord an den Sinti und Roma als solchen anerkannte. Doch es dauerte noch einmal zehn Jahre, bis die Bundesregierung 1992 schließlich der Errichtung eines nationalen Denkmals zustimmte. Weitere Hindernisse waren Widerstände beim Senat von Berlin, wo das Mahnmal hinsolle.

Der nächste große Stolperstein war fast ein Glaubenskrieg - innerhalb der Sinti und Roma selbst: sie konnten sich jahrelang nicht einigen, ob in der Inschrift des Denkmals das Wort "Zigeuner" vorkommen durfte. Die "Sinti-Allianz" und der Bund waren aus historischen Gründen dafür - der Zentralrat der deutschen Sinti und Roma lehnte das vehement ab. Ihr Vorsitzender, Romani Rose: "Vorurteile oder Beleidigungen auf ein Denkmal zu schreiben, das erfüllt nicht den Zweck, den ein Denkmal hat, die Opfer zu ehren."

2007 schließlich war dieser Streit beigelegt - mit einer Kompromissformel: der Begriff "Zigeuner" wird in der Inschrift erklärt, und der Mord an den Sinti und Roma in Motiv und Vorsatz dem Holocaust an den Juden gleichgestellt. Was er de facto auch war.

Warum es vom Baustart 2008 bis zur Fertigstellung dann noch einmal vier Jahre gedauert hat, ist kaum mehr zu entwirren - am Ende war auch der Künstler, der Israeli Dani Karavan, ziemlich entnervt. Doch dass das Denkmal nun fertig ist, empfinden die Sinti und Roma als großen Schritt nach vorn. Romani Rose: "Das ist das Denkmal der Bundesrepublik Deutschland, das sie den Opfern schuldig war."

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