So, 19.05.2013 | 05:06 Uhr
Keiner zählt, wie viele barrierefreie Wohnungen es in Berlin gibt. Und wie viele Menschen mit Behinderung nicht fündig werden, schon gar nicht. Das Angebot im Internet ist dünn und auf viele Seiten verstreut. Die meisten Wohnungen sind zu groß, zu teuer oder eben doch nicht für Rollstuhlfahrer geeignet. Ein Albtraum für behinderte Menschen auf Wohnungssuche.
Antje Szardning wohnt in einem Haus, das speziell für alte Menschen gebaut wurde. Mit ihren 46 Jahren senkt sie den Altersschnitt ganz erheblich.
Antje Szardning: Das nennt sich Service-Wohnen für Senioren. Es ist ein Extra-Wohnhaus mit 60 Wohnungen. Da beim Erstbezug 2002 noch eine Wohnung frei war, bin ich als behinderte Frau dort hineingekommen.
Ein Glück, dachte sie damals. Aber mittlerweile störte es sie, dass sie nur Menschen jenseits der 70 oder 80 im Hausflur trifft. Und die Krankheitsgeschichten im Fahrstuhl, sagt Antje Zardning, die wolle sie schon gar nicht mehr hören. Sie hat mit sich selbst genug zu tun. Vor 13 Jahren wurde sie durch einen Behandlungsfehler ihrer Ärzte beidseitig gelähmt.
Antje Szardning will raus aus ihrer Ein-Zimmer-Wohnung, aber bei der Suche nach etwas Größerem hat sie sich oft geärgert. Die im Internet beschriebenen Wohnungen hat sie bei der Besichtigung kaum wiedererkannt.
Antja Szardning: Ich habe nachgefragt, wie es sein kann, dass diese Wohnung als barrierefrei betitelt wurde, aber im dritten Stock liegt, mit Treppen ohne Fahrstuhl.
Sabrina Wendling
Vor kurzem hat Antje Szardning von Bekannten den Tipp bekommen, dass eine Wohnungsbaugenossenschaft in ihrer Nähe einen barrierefreien Neubau plant. Dort steht sie nun auf der Warteliste und hofft, dass alles klappt.
Für Christa Brendel ist die Wohnungssuche ähnlich schwierig. Die 66-Jährige hat zweieinhalb Jahre lang hat mit ihrem Mann Knut nach einer passenden Wohnung Ausschau gehalten. Ihr Mann saß nach einer Operation aufgrund eines Leber-Tumors im Rollstuhl - sie kann zwar gehen, ist aber geschwächt durch ihre eigene Krebserkrankung. Zwei Zimmer wollten die beiden, möglichst nicht im Erdgeschoss, aus Angst vor Einbrechern. Als endlich eine Wohnung im 1. Stock dabei war, wollte ihnen der Vermieter nicht entgegen kommen.
Christa Brendel: Die wäre für uns ideal gewesen, aber da war eine Duschkabine nicht ebenerdig.
Hier Veränderungen zu machen, wurde ihnen verboten. Obwohl Christa Brendel und ihr Mann den Umbau mit Zuschüssen von der Krankenkasse selbst bezahlt hätten. Das Angebot, mit Mitte 60 ins Seniorenheim zu ziehen, haben beide abgelehnt. Sie wollten selbstständig wohnen, solange es eben geht.
Vor drei Wochen starb Christa Brendels Mann. Aus der gemeinsamen Wohnung will sie so schnell wie möglich raus. Jetzt beginnt die Suche für sie noch einmal neu.