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Trauerzug

Der König ist tot

Potsdam 1786. Der König ist tot, gestorben am 17. August im Alter von 74 Jahren. Neuer preußischer König ist Friedrichs Neffe, Friedrich Wilhelm II. Der ordnet die Beisetzung Friedrichs in der Garnisonkirche an, an der Seite seines Vaters.

Doch drei Wochen später wird der Sarg des Königs noch einmal aus der Kirche herausgeholt: Zum offiziellen Leichenzug durch Potsdam

Alex Krämer ist mit dem Ü-Wagen live beim Trauerzug, in der breiten Straße in Potsdam.

Der Trauerzug

... und diese breite Straße bietet heute einen wirklich beeindruckenden Anblick, die Straßenränder hier sind schwarz vor Menschen, schwarz im wahrsten Sinn des Wortes, ganz Potsdam hat Trauerkleidung angelegt, nicht nur die Straße ist voll, die Eigentümer der Häuser hier haben jedes einzelne Fenster an Schaulustige vermietet, sogar die Dächer haben sie vermietet, die Baupolizei hat gestern abend noch eigens überprüft, ob die Dächer diese Menschenmassen tragen können.

Man hört es, alle Glocken Potsdams läuten, schon seit einigen Minuten, und sie werden während des gesamten Zuges weiterläuten. In der Ferne ist der Leichenwagen bereits zu sehen, aber noch marschieren hier Soldaten an uns vorbei, verschiedene Bataillone bilden die Spitze des Trauerzuges.

Die Trauer um den König

Graf Mirabeau ist bei mir, französischer Gast, ein Kenner des Hofes, Exzellenz, seit drei Wochen herrscht Staatstrauer, Frage an Sie: "Als Beobachter von Außen, wie tief sitzt diese Trauer, wie haben Sie das wahrgenommen?"

Graf Mirabeau: "Um ehrlich zu sein, nicht sehr tief - ich habe nicht viel Kummer gespürt, kein Bedauern, keinen Seufzer gehört - stattdessen: Erleichterung, Hoffnung - das, nach dieser langen Regierungszeit."

Könnte damit zu tun haben, dass der tote König - offenes Geheimnis - schwierig im Umgang war, und im Alter immer schwieriger wurde.

Jetzt nähert sich die Kutsche mit dem Sarg, gezogen von acht Pferden, sehr groß erscheint der Sarg, komplett mit silbernem Stoff überzogen, aus genau dem gleichen Stoff ist auch das Leichentuch, vier Zipfel davon schauen aus dem Sarg heraus, und vier Ritter des schwarzen Adlerordens haben die Aufgabe, diese Zipfel zu halten, auf dem Weg in die Garnisonkirche.

Im Schrittempo rollt der Leichenwagen an uns vorbei, und jetzt folgt, zu Fuß, die königliche Familie, allen voran König Friedrich Wilhelm der Zweite, er trägt Uniform und einen schwarzen Hut, ernst sieht er aus, der Kronprinz ist hier, die Brüder des toten Königs, Prinz Heinrich und Prinz Ferdinand, und die Männer des gesamten Hauses Hohenzollern. Dass der Leichenzug diesen Weg nimmt, in die Garnisonkirche, ist übrigens nicht im Sinne Friedrichs - uns wurde sein geheimes Testament zugespielt, wenn man es liest, wird klar, diesen ganzen Leichenzug hätte er nicht gewollt.

Garnisonkirche als letzter Ruheort

"Ich habe als Philosoph gelebt und will als solcher begraben werden, ohne Gepränge, ohne feierlichen Pomp. Man bestatte mich in Sanssouci auf der Höhe der Terrassen in einer Gruft, die ich mir habe herrichten lassen."

Soweit die Worte des toten Königs, er wollte in der Nähe seiner Hunde liegen, in Sanssouci - aber der neue König, sein Neffe, hat entschieden, Nein, das geht nicht - und so wird Friedrich in der Gruft der Garnisonkirche beigesetzt werden, neben seinem Vater, Friedrich Wilhelm dem Ersten - zu dem er bekanntlich ein höchst problematisches Verhältnis hatte - vermutlich der Ort, an den er zu allerletzt gewollt hätte.

In diesem Moment ist der Trauerzug an uns vorbei, den Abschluss bildet die so genannte Leid- und Trauerkutsche, vollständig überzogen mit schwarzem Samt, gezogen von acht Schimmeln, dem Leibgespann Friedrichs - und, sie hören es, jetzt verstummen die Glocken - für uns das Zeichen, dass der Leichenwagen mit dem Sarg die Garnisonkirche erreicht hat.

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