So, 19.05.2013 | 07:35 Uhr
Max: Leben auf der Baustelle
Seit vier Wochen lebt Max jetzt in Berlin - und war bisher öfter im Baumarkt als auf dem Campus. Da er und seine Mitbewohner die neue Wohnung im erbärmlichen Zustand übernommen haben, wird immer noch renoviert. Das bedeutet Sägen und Regalbau.
Das Wasser zum Kochen kommt aus dem Badezimmer - weil in der Küche die Spüle fehlt. Und nur die Toilette hat eine Tür - die anderen Zimmer sind offen. Max hat einstweilen mit den Schranktüren Abhilfe geschaffen, die er sich nachts in die Tür stellt - vor allem um die Katzen draußen zu halten, die sich nicht darum kümmern, dass er früh morgens zur Uni muss.
Zur Uni muss der Mathestudent von Schöneberg nach Treptow --- Campus Adlershof. Hier studieren die Naturwissenschaftler der Humboldt Universität. Max sitzt mit rund 200 Kommilitonen im Hörsaal. Im so genannten "Mathe Warm Up" geht es heute um komplexe Zahlen. Die Vorlesung soll die Studienanfänger auf den gleichen Stand bringen.
Ein leichtes Gefühl von Benommenheit, leichte Kopfschmerzen bei ständiger Konzentration, das ist Max aus der Schule nicht gewohnt. Dort war Max regelmäßig Jahrgangsbester in Mathe. Jetzt macht er sich ein bisschen Sorgen, ob er dem Stoff folgen kann.
Ivan freut sich an der Freiheit
Mittagspause für Ivan: Er hat sich schon entschieden, in der Mensa. Die bunte Nudelpfanne mit Tomatensauce wird es werden. Der BWL-Student fühlt sich nach wenigen Tagen an der FU schon pudelwohl. Die Riesenauswahl in der Mensa, das Leben an der Uni: Ivan ist begeistert.
Er lobt die renovierten Gebäude, die Ordnung und die Freundlichkeit der Leute. Ebenso auch die Freiheit, sich den eigenen Stundenplan selbst zusammenzustellen. Das sei der Hauptpunkt: Dass man auf einmal so viel Freiheit bekomme und einem alles offenstehe.
Nach dem Mittagessen hat Ivan seine erste Marketing-Vorlesung. Erst geht’s um Organisatorisches - dann um Marketingbegriffe. Nach zwei Jahren Wirtschaftsleistungskurs sind die für Ivan nicht neu, er langweilt sich heimlich etwas.
Spannend wird es für ihn erst wieder nach der Vorlesung. Die Studenten sollen sich für Projektarbeiten im Internet eintragen. Für Ivans Kommilitonen ist das sehr bequem: Auf dem ganzen Campus gibt es W-lan. Die meisten haben iPhones, iPads oder Laptops dabei. Ivan kommt aus einfachen Verhältnissen und konnte sich sowas bisher nicht leisten. Zwar hat er zuhause einen großen Rechner, der aber nicht transportabel ist. Der Laptop sei bestellt, bis der eintreffe sei er noch ein wenig im Nachteil, sagt Ivan.
Anthea und der Spanischkurs
Begrüßungfeier für Neustudenten in der Potsdamer Schiffbauergasse mit leichten Jazzklängen, Glühwein und Waffelstand. Hier tröstet sich Anthea darüber hinweg, dass sie durch ihren Spanisch-Einstufungstest gerasselt ist. Nach der Schule war sie ein Jahr in Mexiko und dachte eigentlich, die Prüfung bestehe sie locker. Doch daraus wurde nichts - neben ihren Vorlesungen im Hauptfach Kulturwissenschaft muss Anthea jetzt zum Aufbau-Kurs Spanisch. Aus diesem Kurs wurden von 40 Leuten erstmal 20 herausgeschmissen und auf eine Warteliste gesetzt - Anthea sei zum Glück nicht unter Verwiesenen gewesen. Jetzt kommt viel Arbeit auf sie zu.
Nebenan in der Waschhaus-Arena begrüßt der Präsident der Uni Potsdam Thomas Grünewald seine neuen Studenten. Anthea verdreht die Augen. Auch ihre Kommilitonen verdrücken sich nach und nach, denn nebenan beginnt die eigentliche Party.
Nach ihrem langen Uni-Tag sieht Anthea allerdings nicht so aus, als hätte sie vor, die Nacht durchzufeiern. Das Gewissen plagt sie: Morgen früh muss sie um halb sechs aufstehen, wenn sie rechtzeitig zur Vorlesung in Potsdam sein will.