Di, 21.05.2013 | 03:02 Uhr
Berlin hat bekanntlich auch ein Umland, ein Umland, in dem richtig viele Menschen wohnen und arbeiten - bei Architektur-Debatten spielt es aber kaum eine Rolle. Einer, der sich Gedanken macht für genau diesen Zwischenraum zwischen Stadt und Land ist Hathumar Drost - Alex Krämer hat ihn zum Gespräch getroffen.
Kurzporträt Hathumar Drost
Dieser Mann achtet auf seine Umgebung, das sieht man seinem Büro an: Die Stadtplanungs-Firma von Hathumar Drost hat ihren Sitz am Rand der Potsdamer Innenstadt: Hohe Decken, gelber Backstein, Kreuzgewölbe, gußeiserne, reichverzierte Stützen, dazwischen stehen die Schreibtische. Alles Teil einer alten Kaserne, erklärt Drost: Das waren die Unterstellmöglichkeiten für - heute würden wir sagen - die Stellplätze, für die Wagen und die Pferde. Und es ist erstaunlich, dass man in einem Stall die Säulen in dieser Art verziert hat und auch repräsentative Raumhöhen hat."
Da hat sich vor 150 Jahren jemand Gedanken gemacht - und genau das, Gedanken machen, das wünscht sich Drost stärker auch im Berliner Speckgürtel, mit dem er sich seit 20 Jahren intensiv beschäftigt: "Achtlosigkeit ist immer das Allerschlimmste - ob das im öffentlichen Straßenraum ist, wenn man eine Schule, eine Sporthalle baut, wenn man Bushaltestellen baut. Und wenn man als Gemeinde selbst mit dem Nachdenken beginnt und gute Beispiele schafft, dann ist das schon wegweisend."
Mehr Architekten-Wettbewerbe, mehr Kreativität, weniger 08/15 Lösungen, das ist wichtig, auch in Vororten, davon ist Drost überzeugt - wie wichtig, das könne man gerade im Berliner Umland gut erkennen: Das sind die Qualitäten, die die Menschen immer noch schätzen - wenn man heute nach Kleinmachnow, Hohenneuendorf, Wilhelmshorst oder Schönow ziehen, weil sie diese Orte als gewachsen Siedlungsstrukturen empfinden, wo die Straßen eine angemessene Breite haben, die von Bäumen gesäumt werden. Man spürt in diesen Orten, dass da irgendwann jemand nachgedacht hat über die Aufteilung des Raumes, und dass es schöner ist, dort zu wohnen als in einem gesichtslosen Neubaugebiet."
Und das lässt sich auch heute erreichen, meint Drost - Beispiele dafür gebe es genug. Der Speckgürtel ist - gerade im Vergleich zum Umland anderer Großstädte - ohnehin sehr schön, findet Drost, zum Beispiel weil in Berlin die Landschaft oft bis an den Stadtrand heranreicht. Und, der Speckgürtel ist ein interessantes Betätigungsfeld für einen Stadtplaner: "Weil sich dort ganz dynamische Entwicklungen vollziehen - unbeobachtet von der allgemeinen Wahrnehmung, weil sich in der Mitte Berlins sich eine ganze Menge bewegt und weil man auch sonst immer gerne über den weiteren Bereich Brandenburgs spricht, wo die Bevölkerung abwandert, wo die Wölfe hinziehen. Aber dazwischen liegt das Berliner Umland, über das nicht so häufig gesprochen wird."