Inforadio

Inforadio

Sa, 18.05.2013 | 11:18 Uhr

Service

Wetter

Hier finden Sie aktuelle Temperaturen, das Biowetter, die Pollenflug-Vorhersage, sowie die 7-Tage-Vorschau für Berlin und Brandenburg._mehr

Verkehr

Aktuelle Staumeldungen und umfassende Verkehrshinweise für die Straßen und Autobahnen in Berlin & Brandenburg finden Sie hier
mehr

Rufen Sie uns an, wenn Sie im Stau stehen

Von 05:30 bis 21:15 Uhr täglich unter der kostenlosen Nummer 0800 9000-931. Unterstützen Sie unseren aktuellen Verkehrsservice und helfen Sie anderen Inforadio-Hörern. _mehr

Smartphone-App

Copyright: rbb Inforadio

Inforadio für unterwegs

Smart auch auf dem Phone: Nachrichten für unterwegs - die Inforadio-App für Apple- und Google-play-Geräte. _mehr

Das Tempelhofer Feld

Viele Orte und Plätze verändern sich momentan in der Stadt. Ein Beispiel dafür ist das Tempelhofer Feld. 2008 wurde das Flugfeld geschlossen. Was wird jetzt aus der 300 Hektar großen Fläche zwischen Tempelhof, Kreuzberg und Neukölln? Vanessa Loewel hat nachgefragt.

Gerhard Steindorf steht auf dem Dach des ehemaligen Flughafengebäudes. Vor ihm breitet sich das alte Flugfeld aus, mehr als 300 Hektar freie Fläche. Die neue Tempelhofer Freiheit ist etwas größer als der Berliner Wannsee: Die Skater, Jogger und Fahrradfahrer, die ihre Runden drehen, sehen klein aus von hier oben. Erst am Horizont beginnt Neukölln. Gerhard Steindorf ist der Geschäftsführer der Tempelhof Projekt GmbH, die im Auftrag des Senates das ehemalige Flughafen-Gelände entwickelt. In der Brache, auf die er blickt, sieht er einen Ort der Zukunft.

Gerhard Steindorf
: Hier haben wir den größten Spontansportplatz in der Stadt. Also ein Ort für Rekreation, Entspannung, Erholung. Gleichzeitig wollen wir mustergültig zeigen, was braucht denn so eine Stadt in der Zukunft? Wir brauchen eben die Urbanität, die sich zusammensetzt aus unterschiedlichen Teilen: Wissen und Bildung und Integration. Wohnung und Arbeiten. Mit modernen Arbeitsplätzen, die in die Zukunft weisen.

Gerhard Steindorf hat keinen einfachen Job. Er muss mehrere Akteure und Nutzungsarten auf dem Tempelhofer Feld unter einen Hut bekommen: Das geht vom Artenschutz, mit der Feldlerche, die auf der großen Wiese nistet; über Raum für Freizeitsportler, wie die Kite-Surfer, die sich mit ihren bunten Lenkdrachen auf einem Skateboard über die Landebahnen ziehen lassen, bis hin zu einer Infrastruktur für zukünftige Investoren. Sie alle wollen und sollen hier ihren Platz finden. Eine Stadtlandschaft soll entstehen, die auch international, richtungsweisend sein soll, sagt der Senator für Stadtentwicklung, Michael Müller.

Michael Müller: Man muss das immer mit im Hinterkopf behalten und mitdenken, wie sich Berlin in den nächsten Jahrzehnten entwickeln könnte und auch entwickeln wird. Wir sehen ja zum Beispiel in Adlershof wie sich ein riesiger Stadtteil über zwanzig Jahre entwickelt hat, wir haben immer noch Freiflächen, aber es ist wirklich sehr viel entstanden. Und wenn wir in Tegel und Tempelhof sehen, was da möglich ist, zumindest für die nächsten 40, 50 Jahre muss man einfach mitdenken, was brauchen wir vielleicht an Industriestandort, an Medienstandort, aber auch an Grünflächen für die Berlinerinnen und Berliner.

Das heißt: Ungefähr ein Fünftel des Feldes wird am Rand bebaut. Die Mitte bleibt freie Fläche. Allerdings gibt es bisher nur Pläne - und die sind noch nicht einmal konkret: Im Westen, am Tempelhofer Damm, soll ein Quartier mit Bildungseinrichtungen entstehen. Das Gebiet im Süden ist als "Clean Technology Park" ausgezeichnet - und meint ein Gewerbegebiet für kleine und mittelständische Betriebe aus den Bereichen Medien und High Tech und im Osten, auf der Neuköllner Seite, sollen Wohnhäuser gebaut werden, "innovatives Wohnen mit sozialer Infrastruktur", wie es heißt. Wie all das dann aber einmal aussehen soll, steht noch nicht fest, sagt Gerhard Steindorf.

Gerhard Steindorf: Bisher denken wir oder konnten wir noch nicht weiter qualitätvoll planen außer einer Flächenausweisung. (…) Danach wird es dann das Verfahren zur Flächennutzungsplanung und zum Bebauungsplan geben.

Das gilt auch für den Neubau der Zentral- und Landesbibliothek, eines der größten und anspruchsvollsten Bauvorhaben der Stadt in den nächsten Jahren. An der südwestlichen Ecke des Feldes, dort, wo sich Ringbahn und U6 kreuzen, wird gerade ein geeigneter Standort gesucht. Ungefähr 270 Millionen Euro will der Senat für die Bibliothek ausgeben. Für Stadtbausenator Michael Müller eine sinnvolle Investition.

Michael Müller: Wir haben eine riesige Freifläche zur Verfügung, auch wenn ich jetzt nur vom Rand rede, ist das eine riesige Freifläche, die man nutzen kann für so einen Bau, der dann auch als solitär stehen kann und strahlen kann. Und es würde gleichzeitig eine Impulsinvestition sein für das ganze Gelände. Die Stadt macht mit dieser Investition deutlich, es ist uns ernst, wir wollen etwas und dann kann man ja oft andere mit so einer Investition begeistern, dazu zu kommen.

100 Prozent Tempelhofer Feld

Drachen steigen

Drachen steigen über dem Tempelhofer Feld  

Für den Neubau der Bibliothek, wie für alle Bauprojekte auf dem Tempelhofer Feld, gilt: Vor 2015 werden die Bauarbeiten nicht beginnen. Doch schon jetzt wird heftig diskutiert.

Widerstand gibt es vor allem auf der Neuköllner Seite: Am Herrfurthplatz trifft sich einmal in der Woche die Bürgerinitiative "100 % Tempelhofer Feld". Für sie ist die aktuelle Zwischennutzung, nämlich das Feld so wie es ist für die Bürger zu öffnen, bereits die perfekte Lösung. Sie deshalb sind gegen jede bauliche Veränderung, auch gegen die Parklandschaft, die entstehen soll. Mit einem Volksentscheid versuchen sie die Pläne des Senates zu kippen, sagt Lothar Köster von der Bürgerinitiative.

Lothar Köster: Im Kern bleibt es natürlich eine Verbauung in weiten Teilen, eine Zerstörung der Gestalt und damit eine Zerstörung der Besonderheit. Wir formulieren das so: Bewahren und sparen, das was wir da haben ist ja schon unser Freizeitparadies, unsere Bürgerfreiheit und die kostet am allerwenigsten.

Nicht alle Besucher des Tempelhofer Feldes sehen das so: Was für die einen die große Freiheit bedeutet, ist für die anderen eine verpasste Chance.

„Es so lassen? Nö, dazu ist das Gelände zu schade.“ „Ick würde dafür plädieren, dass sie hier ein großes Fußballstadion bauen.“ „Also, wenn es so ganz leer stehen würde, das ist nicht schön, aber wenn man hier einen Spielplatz, für Erwachsene und Kinder und alles drum und dran machen würde, dann wäre das schön hier. Und dann noch kleine Cafés, das wäre schön.“

In einer Info-Box auf dem Feld kann man sich ansehen, wie der künftige Park aussehen wird: Von den 240 Hektar werden fast 200 Hektar offene, freie Fläche bleiben - zum Grillen, Sport treiben, Drachensteigen. Und auch die beiden Landebahnen bleiben so wie sie sind.

Das wollen wir weiterhin hier haben, wir wollen es nur neu ordnen und auch strukturieren. Und was, wir mit der Parkplanung versuchen, ist, darauf zu reagieren, sagt Angela Grönewald von der GrünBerlin GmbH, die im Auftrag des Senats den Park verwaltet und entwickelt.

Angela Grönewald: Wir wissen, im Moment wird es sehr sportlich genutzt, wird von vielen jungen Leuten genutzt, aber wenig von älteren, oder solchen, die sich nicht so sehr bewegen können. Spielplätze fehlen, Wasser fehlt, Schatten fehlt. Also, wir versuchen mit dem Entwurf genau das zu ergänzen, was uns noch fehlt.

Ungefähr 64 Millionen Euro wird das kosten: Ein 60 Meter hoher Felsen zum Klettern soll gebaut werden, eine Wasserfläche, die sich im Sommer zum Planschen und im Winter zum Schlittschuhfahren eignen soll, Parklandschaften sollen entstehen. Nächstes Jahr werden die ersten Bäume gepflanzt - in Vorbereitung auf die Internationale Gartenschau, die 2017 hier stattfindet.

Angela Grönewald: Für uns ist natürlich die IGA 2017 ein Motor, ein Meilenstein und wir würden gerne zur IGA 2017 all diese Highlights fertig haben, wir glauben, dass wir diesen Prozess, der durchaus immer wieder kontrovers diskutiert wird, auch ein bisschen beschleunigen kann und auch eine Standortqualifizierung dadurch stattfindet.

Und die Gebäude?

Und was wird aus dem ehemaligen Flughafengebäude? Gerhard Steindorf von der Tempelhof Projekt GmbH hofft, dass das Alliiertenmuseum aus der Clayallee hierherzieht. Denn noch steht ein Drittel des denkmalgeschützten Gebäudes von 1930 leer: Außerdem sollen weitere Unternehmen aus der Kreativ-Branche hinzukommen zu den Firmen, die ihr Büro schon heute hier haben, im Hangar soll es weitere Messen und Events geben, wie Modemesse "Bread and Butter", die hier zweimal im Jahr stattfindet und dort, wo Gerhard Steindorf gerade steht, auf dem Dach des Flughafengebäudes, soll eine Terrasse entstehen.

Gerhard Steindorf: "Damit Besucher, auch vom Dach aus, die große Weite empfinden, besichtigen kann, vielleicht verbinden wir das mit einem Restaurant, oder so..."

Noch ist von all diesen Zukunftsplänen nicht viel zu erahnen auf dem Tempelhofer Feld. Seine größte Attraktion allerdings braucht keinen Bauplan und ist schon jetzt zu erleben, die große Weite inmitten der Stadt.

Stand vom 11.05.2012

Dieser Beitrag gibt den Sachstand vom 11.05.2012 wieder. Neuere Entwicklungen sind in diesem Beitrag nicht berücksichtigt.

Mehr zum Thema

Das Bikini-Haus in der City-West wird renoviert [Wilhelm/rbb]

Bauprojekte

Berlin bekommt ein neues Gesicht

Reporter von rbb Inforadio haben Orte besucht, an denen sich Berlin gerade besonders deutlich verändert: von der City West über die Gegend am Hauptbahnhof, vom Gelände rund um das künftige Humboldtforum bis zum Alexanderplatz und dem ehemaligen Mauerstreifen in Mitte, wo hunderte neue Wohnungen entstehen. _mehr

Nutzer der großen Freifläche [Tempelhof Projekt GmbH]

Fotos

Neues Gesicht für Berlin

Gewerkelt wird an allen Ecken und Kanten: Zwei Wochen lang besuchen wir täglich Städtebauprojekte in Berlin.

  _mehr

Infos im WWW

Parklandschaft Tempelhof

Sammlung von Pressemeldungen zum Tempelhofer Park  [tempelhofer-park.de]

Tempelhofer Freiheit

Befürworter der Planungen neuer Quartiere am Parkrand - Tempelhof Projekt GmbH [tempelhoferfreiheit.de]

Initiative 100% Tempelhofer Feld

Gegen Privatisierung, Bebauung oder Verunstaltung [thf100.de]

Ihre Meinung

Schicken Sie eine Mail an die Redaktion (Bild: Bezold/Freiberg, rbb)

Wir interessieren uns für Sie

Schreiben Sie uns eine kurze Text-Mail: einfach auf das Briefsymbol klicken.
_mehr

Logo des sozialen Netzwerks Facebook (Bild: dpa)

Inforadio bei Facebook

Diskutieren Sie mit uns!  [facebook.com]

Datenschutz und Persönlichkeitsrechte

Facebook hält die Datenschutz-Standards von rbb-online nicht ein. Detaillierte Informationen [rbb-Dossier Social Media]

Podcast

Inforadio-Podcast

Sie möchten Inforadio-Sendungen unabhängig von den Sendezeiten im Radio hören? Sie können mehrere Wochenend-Sendungen von Inforadio sowie besonders interessante politische Interviews (montags bis sonnabends) als Podcast abonnieren – aktuell und kostenlos  Inforadio-Podcast